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cleverklagen: Wie zwei Anwälte LegalTech ohne Investoren bauen

cleverklagen finanziert Kündigungsschutzklagen vor und wächst ohne Investoren. Geschäftsmodell, Kosten für Kunden und Lehren für Gründer im Überblick.

Symbolbild: cleverklagen: Wie zwei Anwälte LegalTech ohne Investoren bauen

Foto: Tingey Injury Law Firm / Unsplash

Inhaltsverzeichnis
  1. Die Gründer und die Idee
  2. So funktioniert das Geschäftsmodell
  3. Bootstrapping in einem teuren Werbemarkt
  4. Was Gründer von cleverklagen lernen können
  5. Häufige Fragen
  6. Quellen

cleverklagen ist ein Berliner LegalTech-Unternehmen, das Arbeitnehmern bei Kündigung, Abfindung und Aufhebungsvertrag hilft und die Prozesskosten für Kunden ohne Rechtsschutzversicherung vorfinanziert. Gegründet wurde es 2020 von den Rechtsanwälten Fabian Beulke und Lucas Rößler. Das Besondere aus Gründersicht: cleverklagen ist komplett ohne externe Investoren gewachsen und nach Angaben der Gründer seit dem Start profitabel.

Die Gründer und die Idee

Beulke und Rößler arbeiteten vorher bei der Kanzlei Hausfeld an großen Sammelklagen. Dort sahen sie, wie ungleich die Ausgangslage zwischen einzelnen Beschäftigten und Unternehmen mit eigener Rechtsabteilung ist. Gegenüber StartingUp beschreiben sie ihren Ansatz als „Robin Hood Litigation“: Wer gekündigt wird, soll nicht aus Angst vor Anwalts- und Gerichtskosten auf eine Abfindung verzichten.

Laut Impressum firmiert das Unternehmen als cleverklagen GmbH mit Sitz in der Potsdamer Straße 102 in Berlin, eingetragen beim Amtsgericht Charlottenburg unter HRB 217107 B. Geschäftsführer ist Lucas Rößler. Das Angebot richtet sich an Arbeitnehmer in ganz Deutschland.

So funktioniert das Geschäftsmodell

cleverklagen arbeitet ähnlich wie eine klassische Prozessfinanzierung, also ein Modell, bei dem ein Dritter die Kosten eines Rechtsstreits übernimmt und im Erfolgsfall am Ergebnis beteiligt wird. Der Ablauf auf der Website hat drei Schritte:

  1. Sofortcheck: ein Online-Fragebogen, ob ein Fall infrage kommt (laut Website rund zwei Minuten).
  2. Kostenlose Beratung: ein Telefonat mit einer Arbeitsrechtlerin oder einem Arbeitsrechtler, der danach fester Ansprechpartner bleibt.
  3. Durchsetzung: Strategie, Kontakt zum Arbeitgeber, Verhandlung oder Klage. Die finale Entscheidung über einen Vergleich trifft der Kunde.

Was Kunden zahlen

SituationKosten laut cleverklagen
Erstberatungkostenlos
Mit RechtsschutzversicherungVersicherung trägt die Kosten, cleverklagen übernimmt nach eigenen Angaben die Selbstbeteiligung
Ohne Rechtsschutzversicherungcleverklagen streckt Anwalts- und Gerichtskosten vor; eine anteilige Gebühr wird erst fällig, wenn die Abfindung gezahlt ist

Einen festen Prozentsatz nennt die Kostenseite nicht. Die konkreten Konditionen gibt es nach Prüfung des Einzelfalls. Gegenüber StartingUp sagte Fabian Beulke, das Erfolgshonorar liege „durchschnittlich“ bei knapp 30 Prozent. Es fällt bei sehr hohen Abfindungen niedriger und bei riskanten Fällen höher aus. Wer das Angebot nutzen will, sollte diese Konditionen schriftlich mit der Alternative vergleichen, einen Fachanwalt für Arbeitsrecht nach gesetzlichen Gebühren zu beauftragen.

Bootstrapping in einem teuren Werbemarkt

Ohne Investoren zu wachsen heißt bei cleverklagen vor allem: Jeder Euro für Kundengewinnung muss sich schnell zurückverdienen. Der wichtigste Kanal sind Google Ads. In den Auktionen um Suchbegriffe rund um Kündigung und Abfindung bietet cleverklagen gegen wagniskapitalfinanzierte Wettbewerber mit größeren Budgets. Rößler sagte gegenüber StartingUp, man habe „bewusst klein angefangen“ und setze auf einen effizienten Sales-Funnel „von der Anzeige bis zur Conversion“.

Nach Angaben der Gründer wächst das Unternehmen um etwa 50 Prozent pro Jahr. Die Erfolgsquote beziffert cleverklagen auf seiner Website mit über 90 Prozent. Beide Zahlen sind Eigenangaben und lassen sich von außen nicht prüfen. Konkrete Umsatzziele nennen die Gründer nicht.

Eigene Software und KI auf eigenen Servern

Um viele parallele Fälle mit kleinem Team zu bearbeiten, hat cleverklagen eigene Software für Arbeitsabläufe entwickelt. Eine selbst betriebene KI unterstützt laut StartingUp bei Fristen, Aufgaben, Terminen, Dokumentenverwaltung und Konsistenzprüfungen der Akten. Sie läuft ausschließlich auf eigenen Servern ohne externe Datenverbindungen. Entscheidungen trifft nach Aussage der Gründer immer ein Anwalt, nie die KI.

Was Gründer von cleverklagen lernen können

  • Bootstrapping braucht ein Modell mit schnellem Rückfluss. cleverklagen verdient am Ende eines Falls. Das funktioniert nur, wenn die Kosten pro Fall und die Erfolgsquote eng kontrolliert werden. Grundlagen dazu findest du in Bootstrapping: Gründen ohne Investoren.
  • Performance-Marketing messbar halten. Wer gegen finanzstarke Wettbewerber um Anzeigenplätze bietet, muss Kosten pro Abschluss genau kennen. Praktische Hinweise bietet Google Ads für Startups.
  • Prozesse vor Personal automatisieren. Eigene Software und KI für Routinearbeit erlauben Wachstum ohne proportional mehr Personal. Einen Überblick über Einsatzfelder gibt KI für Gründer.
  • Vertrauen sichtbar machen. In einem Markt, in dem Kunden einem Anbieter ihren Rechtsstreit anvertrauen, sind Bewertungen und transparente Kosten zentral. Siehe Review-Marketing.
  • Fokus vor Breite. cleverklagen hat mit einem Rechtsgebiet begonnen. Nach Angaben der Gründer sollen später weitere Bereiche folgen, etwa Streitigkeiten mit Versicherungen sowie Familien- und Erbrecht. Wie du kontrolliert in neue Felder wächst, zeigt Startup skalieren.

Häufige Fragen

Wer steckt hinter der cleverklagen GmbH?

Gegründet wurde cleverklagen 2020 von den Rechtsanwälten Fabian Beulke und Lucas Rößler. Die GmbH sitzt in Berlin, Geschäftsführer ist laut Impressum Lucas Rößler.

Was kostet cleverklagen ohne Rechtsschutzversicherung?

Ohne Rechtsschutz finanziert cleverklagen Anwalts- und Gerichtskosten vor. Fällig wird eine anteilige Gebühr erst nach Auszahlung der Abfindung. Laut Gründern liegt sie im Schnitt bei knapp 30 Prozent; die genauen Konditionen nennt cleverklagen nach Prüfung des Falls.

Wo finde ich Erfahrungen mit cleverklagen?

Die Website zeigt Kundenbewertungen. Für ein unabhängiges Bild lohnt der Blick auf mehrere Bewertungsplattformen und der Vergleich der Konditionen mit einem Angebot eines Fachanwalts für Arbeitsrecht.

Quellen

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