Marketing

Zielgruppenanalyse: Anleitung in 6 Schritten mit Beispiel

Zielgruppenanalyse für Gründer: Kriterien für B2C und B2B, kostenlose Datenquellen, Interviews, Persona-Vorlage und Rechenbeispiel zur Marktgröße.

Symbolbild: Zielgruppenanalyse: Anleitung in 6 Schritten mit Beispiel

Foto: Mauro Gigli / Unsplash

Inhaltsverzeichnis
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Was eine Zielgruppenanalyse leisten soll
  3. Kriterien: Zielgruppe definieren für B2C und B2B
  4. Zielgruppenanalyse in 6 Schritten
  5. Beispiel mit Rechnung: Marktgröße abschätzen
  6. Umfragen und Datenschutz
  7. Typische Fehler
  8. Häufige Fragen
  9. Quellen

Eine Zielgruppenanalyse beantwortet drei Fragen: Wer kauft dein Angebot, welches Problem löst du für diese Menschen oder Unternehmen, und wie viele davon kannst du realistisch erreichen? Für Gründer ist sie die Grundlage für Businessplan, Preis, Marketingkanäle und Texte. Du brauchst dafür kein Marktforschungsinstitut: Kostenlose Daten der statistischen Ämter, zehn bis fünfzehn Gespräche mit potenziellen Kunden und ein Blick auf Suchanfragen und Wettbewerber reichen für einen belastbaren Start. In dieser Anleitung findest du sechs Schritte, Kriterien für B2C und B2B, eine Persona-Vorlage und ein Rechenbeispiel.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ziel: eine Kundengruppe so genau beschreiben, dass du weißt, wo du sie erreichst und was sie überzeugt.
  • Zwei Datenarten: Sekundärdaten (Statistiken, Verbandszahlen, Studien) und Primärdaten (eigene Interviews, Umfragen, Tests).
  • Kriterien: bei Privatkunden Alter, Wohnort, Einkommen, Lebenssituation, Bedürfnisse und Einstellungen, bei Geschäftskunden Branche, Größe, Region und Entscheider.
  • Ergebnis: ein bis drei Kundensegmente mit Persona, Marktgröße und Kanälen.
  • Datenschutz: Wer bei Umfragen personenbezogene Daten erhebt, muss die DSGVO beachten.

Was eine Zielgruppenanalyse leisten soll

Die Zielgruppe ist die Gruppe von Menschen oder Unternehmen, die dein Angebot mit hoher Wahrscheinlichkeit kaufen. Die Analyse grenzt sie vom Gesamtmarkt ab. Fachleute sprechen von Marktsegmentierung: Der Markt wird in Käufergruppen geteilt, die in sich ähnlich sind und sich voneinander unterscheiden. So beschreibt es auch das Marketing-Infoblatt der IHK für junge Unternehmen.

Eine gute Analyse hilft dir bei konkreten Entscheidungen:

  • Angebot: Welche Leistung braucht die Gruppe wirklich, was ist überflüssig?
  • Preis: Was ist sie bereit zu zahlen, womit vergleicht sie dich?
  • Kanäle: Wo informiert sie sich, wo kauft sie?
  • Botschaft: Welche Worte nutzt sie für ihr Problem?
  • Businessplan: Wie groß ist der erreichbare Markt? Die Zahlen fließen direkt in deinen Businessplan oder Lean Canvas.

Kriterien: Zielgruppe definieren für B2C und B2B

KriteriumPrivatkunden (B2C)Geschäftskunden (B2B)
SoziodemografieAlter, Geschlecht, Haushaltsgröße, Bildung, Beruf, EinkommenBranche, Rechtsform, Mitarbeiterzahl, Umsatz, Alter des Unternehmens
GeografieWohnort, Stadt oder Land, EinzugsgebietStandort, Region, Märkte
Bedürfnisse und ProblemeWas nervt, was fehlt, was wünschen sie sich?Welcher Prozess kostet Zeit oder Geld, welche Pflicht steht an?
Einstellungen und WerteNachhaltigkeit, Preisbewusstsein, TechnikaffinitätRisikobereitschaft, Innovationsfreude, Einkaufsrichtlinien
KaufverhaltenKaufhäufigkeit, Kanäle, Zahlungsarten, MarkentreueEntscheidungsweg, Budgetzyklen, Ausschreibungen
Entscheidermeist die Person selbst, oft mit Partner oder FamilieNutzer, Entscheider und Einkäufer sind häufig verschiedene Personen

Gerade im B2B-Geschäft lohnt es sich, die Rollen im Kundenunternehmen zu trennen: Die Person, die dein Tool täglich nutzt, entscheidet oft nicht über den Kauf. Mehr dazu im Artikel B2B-Vertrieb.

Zielgruppenanalyse in 6 Schritten

1. Hypothese aufschreiben

Formuliere in einem Satz, wen du für deinen Kunden hältst und warum: „Inhaber von Friseursalons mit zwei bis zehn Mitarbeitern in Städten über 100.000 Einwohnern, die Terminausfälle reduzieren wollen.“ Diese Annahme prüfst du in den folgenden Schritten.

2. Sekundärdaten auswerten

Sekundärdaten sind Informationen, die andere bereits erhoben haben. Kostenlose Quellen:

  • GENESIS-Online des Statistischen Bundesamts: Bevölkerung, Haushalte, Einkommen, Unternehmen nach Branchen.
  • Regionaldatenbank Deutschland: dieselben Themen bis auf Kreis- und oft Gemeindeebene, wichtig für lokale Gründungen.
  • Statistische Landesämter, Kommunen, Wirtschaftsförderungen: Standortdaten, Kaufkraft, Gewerbeflächen. Die IHK nennt diese Stellen ausdrücklich als Datenquellen.
  • IHK und Handwerkskammer: Branchenzahlen, Standortanalysen, Beratung.
  • Branchenverbände: Marktberichte, oft für Mitglieder kostenlos.
  • Google Trends und Suchvorschläge: zeigen, wonach Menschen suchen und wie sich das Interesse über das Jahr verteilt.

Notiere zu jeder Zahl Quelle und Stand. Banken und Förderstellen fragen danach.

3. Mit potenziellen Kunden sprechen

Nichts ersetzt Gespräche. Führe zehn bis fünfzehn Interviews mit Menschen aus deiner vermuteten Zielgruppe. Frag nach ihrem Alltag und ihren Problemen, nicht nach deiner Idee:

  • „Wann ist dir das Problem zuletzt passiert? Was hast du dann gemacht?“
  • „Was nutzt du heute dafür, und was kostet dich das?“
  • „Was stört dich an der heutigen Lösung?“
  • „Wer entscheidet bei euch über so eine Anschaffung?“

Fragen wie „Würdest du das kaufen?“ liefern freundliche, aber wenig belastbare Antworten. Achte auf Formulierungen, die sich wiederholen. Sie sind später Gold für Website und Anzeigen, siehe SEO-Texte schreiben.

4. Wettbewerber und Kanäle beobachten

Schau dir an, wen deine Wettbewerber ansprechen: Bildsprache, Preise, Bewertungen, Social-Media-Kommentare. Kritische Bewertungen bei Wettbewerbern zeigen ungelöste Probleme. Wenn alle dieselbe Gruppe bedienen, kann eine vernachlässigte Untergruppe deine Chance sein. Wie du solche Lücken erkennst, steht in Marktlücke finden.

5. Segmente bilden und priorisieren

Fasse die Ergebnisse zu ein bis drei Segmenten zusammen und bewerte sie:

FrageSegment ASegment B
Wie dringend ist das Problem?hochmittel
Zahlungsbereitschafthochniedrig
Erreichbarkeit (Kanäle bekannt?)gutschwierig
Größe des Segmentskleingroß
Passt es zu deinen Stärken?jateilweise

Starte mit dem Segment, das dringend ein Problem hat, zahlen kann und gut erreichbar ist, auch wenn es kleiner ist.

6. Persona erstellen

Eine Persona ist ein fiktives, aber auf deinen Daten beruhendes Profil eines typischen Kunden. Sie macht die Zielgruppe greifbar, etwa beim Schreiben von Texten oder bei der Planung von Social-Media-Inhalten.

Vorlage:

  • Name und Foto (fiktiv), Alter, Wohnort, Beruf oder Rolle
  • Typischer Tag, berufliche oder private Situation
  • Ziele: Was will die Person erreichen?
  • Probleme: Was hindert sie daran?
  • Heutige Lösung und was daran stört
  • Informationsquellen: Medien, Plattformen, Empfehlungen
  • Kaufkriterien und Einwände
  • Typisches Zitat aus deinen Interviews

Beispiel mit Rechnung: Marktgröße abschätzen

Beispiel: Eine Gründerin plant ein Online-Buchungssystem für Physiotherapiepraxen in Sachsen. Die Zahlen sind angenommen, um den Rechenweg zu zeigen. Die echten Werte holst du aus GENESIS-Online, der Regionaldatenbank oder von Branchenverbänden.

  • Angenommene Zahl der Praxen in Sachsen: 1.500
  • Anteil, der laut eigenen Interviews noch ohne Online-Buchung arbeitet: 40 Prozent → 600 Praxen
  • Realistischer Marktanteil in drei Jahren: 10 Prozent → 60 Praxen
  • Preis pro Praxis: 50 Euro im Monat → 36.000 Euro Jahresumsatz

Die Rechnung zeigt sofort: Nur Sachsen reicht nicht, um davon zu leben. Entweder die Gründerin plant bundesweit, erweitert das Angebot auf weitere Heilberufe oder setzt einen höheren Preis an. Genau solche Erkenntnisse sind der Sinn der Analyse.

Umfragen und Datenschutz

Wenn du Umfragen durchführst, gilt die Datenschutz-Grundverordnung, sobald du personenbezogene Daten erhebst, also etwa Name, E-Mail-Adresse oder Angaben, über die Teilnehmende identifizierbar sind. Wirklich anonyme Daten fallen nach Erwägungsgrund 26 DSGVO nicht unter die Verordnung. Für die Praxis:

  • Frag nur ab, was du brauchst.
  • Erhebe Kontaktdaten getrennt und nur mit Einwilligung, etwa für eine Gewinnspielteilnahme oder spätere Rückfragen.
  • Informiere in einem kurzen Datenschutzhinweis, wer die Daten wofür nutzt.
  • Wähle ein Umfragetool, mit dem du einen Auftragsverarbeitungsvertrag schließen kannst.

Typische Fehler

  • „Alle“ als Zielgruppe: Wer alle ansprechen will, erreicht niemanden.
  • Nur Annahmen: Persona ohne ein einziges Kundengespräch.
  • Nur Demografie: „Frauen 25 bis 45“ sagt nichts über Probleme und Kaufgründe.
  • Einmal und nie wieder: Prüfe die Analyse nach den ersten zwanzig Kunden. Oft kauft eine andere Gruppe als gedacht.
  • Freundliche Antworten überbewerten: Interesse ist kein Kauf. Teste mit Vorbestellungen oder einem Pilotpreis.

Eine klare Zielgruppe ist auch die Grundlage für Positionierung und Markenauftritt, siehe Marke aufbauen.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Zielgruppe und Persona?

Die Zielgruppe beschreibt eine Gruppe mit gemeinsamen Merkmalen, die Persona ist ein konkretes, fiktives Beispiel aus dieser Gruppe. Die Zielgruppe hilft bei Marktgröße und Kanalwahl, die Persona bei Texten, Gestaltung und Angebot.

Wie viele Zielgruppen sollte ein Startup haben?

Zum Start eine Hauptzielgruppe, höchstens zwei bis drei Segmente. Mit wenig Budget und Zeit ist Fokus wichtiger als Vollständigkeit.

Was kostet eine Zielgruppenanalyse?

Selbst gemacht vor allem Zeit: einige Tage für Recherche und Interviews. Eine beauftragte Marktstudie kann teuer werden. Die IHK weist darauf hin, dass für Beratungen teilweise Förderungen möglich sind, frag dort nach.

Wie oft sollte ich die Zielgruppenanalyse wiederholen?

Überprüfe sie, sobald du echte Kundendaten hast, und danach etwa einmal im Jahr oder bei größeren Veränderungen wie einem neuen Produkt oder Markt.

Quellen

Nach oben scrollen