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Franchise gründen: Ablauf, Kosten und Vertrag prüfen

Franchise gründen in 7 Schritten: System prüfen, Kosten kalkulieren, Vertrag und Widerrufsrecht checken, Finanzierung klären. Mit Warnsignalen.

Symbolbild: Franchise gründen: Ablauf, Kosten und Vertrag prüfen

Foto: Photos of Korea / Unsplash

Inhaltsverzeichnis
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Wie Franchising funktioniert
  3. Vor- und Nachteile als Franchisenehmer
  4. Franchise gründen in 7 Schritten
  5. Vorvertragliche Aufklärung: Was dir zusteht
  6. Den Franchisevertrag prüfen
  7. Warnsignale bei unseriösen Anbietern
  8. Franchise für Kinder- und Familienangebote
  9. Finanzierung einer Franchisegründung
  10. Häufige Fragen
  11. Quellen

Wer ein Franchise gründet, macht sich selbstständig, nutzt dafür aber Marke, Know-how und Abläufe eines bestehenden Systems. Dafür zahlst du in der Regel eine Eintrittsgebühr und laufende Gebühren, meist einen Prozentsatz vom Umsatz. Laut Deutschem Franchiseverband gibt es in Deutschland rund 860 Franchisesysteme mit fast 150.000 Franchisenehmern (Stand: November 2025). Das unternehmerische Risiko trägst du trotzdem selbst. Entscheidend sind deshalb die Prüfung des Systems und des Vertrags, bevor du unterschreibst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Rechtlich bist du als Franchisenehmer selbstständiger Unternehmer und handelst im eigenen Namen und auf eigene Rechnung.
  • Kosten: Eintrittsgebühr, laufende Franchisegebühr (laut IHK üblich 1 bis 15 Prozent vom Nettoumsatz), oft eine Werbegebühr, dazu die Investitionen für Standort, Ausstattung und Ware.
  • Vor dem Vertrag muss der Franchisegeber dich ehrlich und vollständig aufklären, etwa über Investitionen, Anlaufverluste und die Zahlen bestehender Betriebe.
  • Widerrufsrecht: Existenzgründer können bei Verträgen mit Bezugspflichten und einem Volumen bis 75.000 Euro ein 14-tägiges Widerrufsrecht haben.
  • Finanzierung: Franchisegründungen werden wie andere Gründungen finanziert, etwa über Förderkredite und Hausbank.

Wie Franchising funktioniert

Beim Franchising überlässt der Franchisegeber dir gegen Entgelt das Recht, sein Geschäftskonzept unter seiner Marke zu nutzen. Dazu gehören je nach System Name und Marke, ein dokumentiertes Know-how (das Franchisehandbuch), Schulungen, Einkaufskonditionen, Marketing und laufende Betreuung. Im Gegenzug hältst du dich an die Vorgaben des Systems und akzeptierst Kontrollen.

Das Existenzgründungsportal des Bundeswirtschaftsministeriums ordnet Franchising als vergleichsweise risikoarme Form der Gründung ein, betont aber, dass es eine echte Gründung ist. Du brauchst also ebenfalls einen Businessplan, eine Finanzierung und eine Gewerbeanmeldung. Ein eigenes Franchisegesetz gibt es in Deutschland nicht. Orientierung bieten Rechtsprechung, der Europäische Verhaltenskodex für Franchising und die Standards des Deutschen Franchiseverbands.

Die IHK Pfalz unterscheidet drei Grundformen:

FormWas du machstBeispiel
VertriebsfranchisingWaren unter dem Namen des Gebers verkaufenEinzelhandel, Baumarkt
DienstleistungsfranchisingDienstleistungen unter der Marke erbringenHotel, Musikschule, Nachhilfe
ProduktionsfranchisingNach Vorgabe herstellen und unter der Marke verkaufenGetränkeabfüllung

Vor- und Nachteile als Franchisenehmer

VorteileNachteile
Bekannte Marke ab dem ersten TagWeniger unternehmerische Freiheit, Vorgaben zu Sortiment, Auftritt, Abläufen
Erprobtes Konzept, Handbuch, SchulungenLaufende Gebühren auch in schwachen Monaten
Einkaufsvorteile und zentrales MarketingAbhängigkeit vom Ruf und von der Entwicklung des Gesamtsystems
Banken bewerten erprobte Konzepte oft positivVorzeitiger Ausstieg ist meist mit Verlust verbunden

Prüfe außerdem, wie viel Entscheidungsspielraum dir bleibt. Darfst du Preise selbst festlegen, Personal selbst auswählen und eigene Kunden gewinnen? Je enger die Vorgaben, desto eher stellt sich die Frage der Scheinselbstständigkeit. Die Checkliste des Franchiseverbands fragt genau diese Punkte ab.

Franchise gründen in 7 Schritten

  1. Eignung klären. Passt es zu dir, nach festen Regeln zu arbeiten? Wer viel selbst gestalten will, ist mit einer eigenen Gründung oft zufriedener.
  2. Systeme vergleichen. Recherchiere in Franchiseverzeichnissen, auf Messen und beim Franchiseverband. Achte darauf, wie lange das System besteht. Die IHK Pfalz nennt als Mindeststandard einen erprobten Pilotbetrieb und empfiehlt, dass das Konzept mindestens zwei Jahre am Markt ist.
  3. Mit bestehenden Franchisenehmern sprechen. Frag nach Umsatz, Arbeitszeit, Anlaufphase und Unterstützung durch die Zentrale. Ein seriöses System nennt dir Referenzen.
  4. Unterlagen anfordern. Lass dir vorvertragliche Informationen, den Vertragsentwurf und das Franchisehandbuch zeigen.
  5. Kosten und Kapitalbedarf rechnen. Eintrittsgebühr, Investitionen, laufende Gebühren und eine Reserve für die Anlaufzeit. Details zu den einzelnen Gebührenarten findest du im Artikel Franchisegebühren.
  6. Vertrag prüfen lassen. Am besten durch eine Anwältin oder einen Anwalt mit Erfahrung im Franchiserecht.
  7. Finanzierung, Rechtsform und Anmeldung. Erst danach unterschreibst du, meldest das Gewerbe an und wählst die passende Rechtsform.

Vorvertragliche Aufklärung: Was dir zusteht

Sobald ihr verhandelt, entsteht ein vorvertragliches Vertrauensverhältnis. Der Franchisegeber muss dir laut IHK-Merkblättern unter anderem offenlegen:

  • die Arbeits- und Finanzbelastung einschließlich möglicher Anlaufverluste,
  • Ergebnisse und Erfahrungen bestehender Betriebe oder des Pilotbetriebs,
  • die Höhe der Investition und des nötigen Eigenkapitals,
  • den Leistungsumfang der Systemzentrale,
  • eine realistische Rentabilitätsvorschau und die Risiken des Vertrags.

Diese Angaben müssen auf Erfahrungswerten beruhen, richtig und vollständig sein. Waren falsche Angaben für deinen Vertragsschluss ausschlaggebend, kannst du Schadensersatz verlangen. Auch du musst wahrheitsgemäß über deine Qualifikation und deine finanziellen Möglichkeiten informieren. Lass dir alle Zahlen schriftlich geben und heb sie auf.

Den Franchisevertrag prüfen

Der Deutsche Franchiseverband hat eine Checkliste für Franchisenehmer veröffentlicht. Die wichtigsten Prüfpunkte:

  • Gebiet: Ist ein Gebietsschutz vereinbart und sind die Grenzen genau festgelegt?
  • Leistungen des Gebers: Sind Handbuch, Erstschulung und laufende Fortbildung vertraglich zugesagt?
  • Bezugsbindung: Wie viel musst du beim Geber oder bei vorgegebenen Lieferanten einkaufen? Darfst du Zusatzprodukte frei beziehen?
  • Gebühren: Sind alle Gebühren mit Höhe und Fälligkeit geregelt? Wird die Werbegebühr zweckgebunden verwendet?
  • Laufzeit und Kündigung: Ist die Laufzeit bestimmt, etwa fünf Jahre, und gibt es eine Verlängerungsoption ohne neue Eintrittsgebühr? Verzichtet der Geber auf Mindestumsätze?
  • Nach Vertragsende: Gilt ein nachvertragliches Wettbewerbsverbot? Die IHK Ostwürttemberg hält höchstens ein Jahr, beschränkt auf Vertragsprodukte und Gebiet, mit angemessener Entschädigung für zulässig.
  • Streit: Liegt der Gerichtsstand in Deutschland, ist der Vertrag auf Deutsch?

Widerrufsrecht für Existenzgründer

Enthält der Vertrag Bezugspflichten, kann er rechtlich als Ratenlieferungsvertrag gelten (§ 510 BGB). Für Existenzgründer gelten dann die Verbraucherschutzregeln, solange der Barzahlungspreis 75.000 Euro nicht übersteigt (§ 513 BGB). Du hast in diesem Fall ein Widerrufsrecht von 14 Tagen. Fehlt die Widerrufsbelehrung oder ist sie fehlerhaft, verlängert sich die Frist. Ob dein Vertrag darunterfällt, sollte die Vertragsprüfung klären.

Warnsignale bei unseriösen Anbietern

Der Begriff „Franchise“ ist nicht geschützt. Die IHK Pfalz nennt diese Alarmzeichen:

  • hohe Gewinnversprechen und Zeitdruck bei der Unterschrift
  • kein nachweisbarer Pilotbetrieb, keine Betriebszahlen, keine Referenzen
  • Vorabzahlungen vor Vertragsschluss
  • kein Franchisehandbuch, Marken nicht nachweisbar eingetragen
  • Missverhältnis zwischen Gebühren und Leistung

Franchise für Kinder- und Familienangebote

Nachhilfe, Kinderturnen, Kreativkurse, Sprach- oder Programmierkurse für Kinder: In diesem Bereich gibt es zahlreiche Dienstleistungssysteme mit oft überschaubarem Investitionsbedarf. Zusätzlich zur normalen Systemprüfung solltest du hier drei Punkte klären:

  • Führungszeugnis: Für die berufliche Betreuung, Erziehung oder Ausbildung Minderjähriger kann ein erweitertes Führungszeugnis beantragt werden (§ 30a BZRG). Viele Systeme, Schulen und Kitas verlangen es von dir und deinen Mitarbeitenden.
  • Erlaubnisse: Betreust du fremde Kinder außerhalb ihres Elternhauses regelmäßig mehr als 15 Stunden pro Woche und länger als drei Monate gegen Entgelt, brauchst du eine Erlaubnis zur Kindertagespflege vom Jugendamt (§ 43 SGB VIII). Reine Kurs- und Nachhilfeangebote fallen in der Regel nicht darunter. Kläre das im Einzelfall mit dem Jugendamt.
  • Saisonalität: Kursangebote hängen oft an Schuljahr und Ferien. Frag bestehende Franchisenehmer, wie stark Umsätze in den Sommermonaten einbrechen, und plane die laufenden Gebühren dafür ein.

Finanzierung einer Franchisegründung

Franchising ist kein Finanzierungskonzept. Etablierte Systeme verlangen meist erhebliche Eigenmittel. Banken bewerten Franchisegründungen aber oft positiv, weil das Konzept erprobt ist. Sie prüfen zusätzlich, wie selbstständig du bist, welche Pflichten du gegenüber dem Geber hast und ob die Gebühren angemessen sind.

Als Förderkredit kommt vor allem das KfW StartGeld in Frage. Es läuft über deine Hausbank und muss vor Beginn des Vorhabens beantragt werden. Unterschreibe den Franchisevertrag deshalb erst, wenn die Finanzierung geklärt ist, oder vereinbare einen Finanzierungsvorbehalt.

Rechenbeispiel Kapitalbedarf

Beispiel mit angenommenen Werten: Ein Dienstleistungssystem verlangt 15.000 Euro Eintrittsgebühr, die Einrichtung kostet 40.000 Euro. Für die ersten sechs Monate rechnest du mit 4.000 Euro Fixkosten im Monat und willst 2.000 Euro Privatentnahme einplanen.

  • Investition: 15.000 + 40.000 Euro = 55.000 Euro
  • Anlaufreserve: (4.000 + 2.000 Euro) × 6 Monate = 36.000 Euro
  • Kapitalbedarf gesamt: 91.000 Euro

Die laufende Franchisegebühr kommt mit jedem Umsatz dazu. Sie gehört in deine Rentabilitätsvorschau, nicht in den einmaligen Kapitalbedarf.

Häufige Fragen

Was kostet es, ein Franchise zu gründen?

Das hängt stark vom System ab. Ein mobiles Dienstleistungssystem kommt mit wenig Investition aus, ein Restaurant mit Ladenbau braucht ein Vielfaches. Rechne immer Eintrittsgebühr, Investitionen, laufende Gebühren und eine Reserve für die Anlaufzeit zusammen.

Kann ich ein Franchise nebenberuflich starten?

Manche Systeme lassen das zu, viele verlangen aber vollen Einsatz. Prüfe im Vertrag, ob Mindestöffnungszeiten oder Mindestumsätze vorgeschrieben sind. Allgemeine Infos zur Gründung neben dem Job findest du im Ratgeber Selbstständig machen.

Muss ich den Franchisevertrag anwaltlich prüfen lassen?

Pflicht ist das nicht, die IHKs und der Franchiseverband empfehlen es aber ausdrücklich. Die Kosten sind im Verhältnis zu einer mehrjährigen Bindung und Investitionen im fünf- oder sechsstelligen Bereich gering.

Bin ich als Franchisenehmer wirklich selbstständig?

In der Regel ja: Du handelst im eigenen Namen und auf eigene Rechnung. Sind die Weisungen so eng, dass dir kaum Entscheidungsspielraum bleibt, kann rechtlich aber eine abhängige Beschäftigung vorliegen. Achte darauf, dass du Preise und Personal selbst bestimmen kannst.

Dieser Artikel ersetzt keine individuelle Rechts- oder Steuerberatung.

Quellen

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