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Brutto-Netto für Selbstständige: So rechnest du 2026 richtig

Brutto netto für Selbstständige: Was vom Gewinn nach Kranken- und Pflegeversicherung und Einkommensteuer 2026 übrig bleibt, mit Rechenbeispielen.

Symbolbild: Brutto-Netto für Selbstständige: So rechnest du 2026 richtig

Foto: Towfiqu barbhuiya / Unsplash

Inhaltsverzeichnis
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Vom Umsatz zum Netto: das Schema
  3. Kranken- und Pflegeversicherung 2026
  4. Einkommensteuer 2026
  5. Rechenbeispiele 2026
  6. Gewerbesteuer: was Gewerbetreibende zusätzlich rechnen
  7. Typische Denkfehler
  8. Häufige Fragen
  9. Quellen

Brutto und netto funktionieren für Selbstständige anders als für Angestellte. Dein „Brutto“ ist der Gewinn, also Einnahmen minus Betriebsausgaben. Davon gehen Kranken- und Pflegeversicherung, Einkommensteuer, gegebenenfalls Solidaritätszuschlag, Kirchensteuer und Gewerbesteuer ab, außerdem deine Altersvorsorge. Bei 60.000 Euro Gewinn bleiben einem ledigen, kinderlosen, gesetzlich versicherten Freiberufler 2026 rund 37.350 Euro, also etwa 3.100 Euro im Monat, bevor er fürs Alter spart. Dieser Artikel ersetzt keine individuelle Rechts- oder Steuerberatung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ausgangswert ist der Gewinn, nicht der Umsatz. Umsatzsteuer ist ein durchlaufender Posten und gehört nie zu deinem Einkommen.
  • Kranken- und Pflegeversicherung zahlst du als Selbstständiger allein, in der GKV 2026 zusammen rund 21,7 Prozent (mit Krankengeld, kinderlos, durchschnittlicher Zusatzbeitrag).
  • Einkommensteuer 2026: Grundfreibetrag 12.348 Euro, Eingangssteuersatz 14 Prozent, Spitzensteuersatz 42 Prozent ab 69.879 Euro zu versteuerndem Einkommen.
  • Gewerbesteuer zahlen nur Gewerbetreibende. Sie wird größtenteils auf die Einkommensteuer angerechnet.
  • Rentenversicherung ist für die meisten Selbstständigen freiwillig. Plane trotzdem einen festen Anteil ein.

Vom Umsatz zum Netto: das Schema

SchrittWas passiert
1. Umsatz (netto)Rechnungsbeträge ohne Umsatzsteuer
2. minus BetriebsausgabenMaterial, Software, Miete, Fahrzeug, Versicherungen, Abschreibungen
3. = Gewinndein „Brutto“
4. minus Kranken- und PflegeversicherungBeitrag richtet sich nach dem Gewinn
5. minus Einkommensteuer, Soli, Kirchensteuerberechnet auf das zu versteuernde Einkommen
6. minus Gewerbesteuer (nur Gewerbe)abzüglich Anrechnung auf die Einkommensteuer
7. = Nettoverfügbar für Lebenshaltung, Altersvorsorge und Rücklagen

Viele Gründer vergessen Schritt 2 und rechnen vom Umsatz aus. Dann wirkt der Stundensatz komfortabel, obwohl die Kosten einen großen Teil auffressen. Wie du vom gewünschten Netto zum nötigen Stundensatz kommst, zeigt Stundensatz berechnen.

Kranken- und Pflegeversicherung 2026

Als freiwillig gesetzlich Versicherter zahlst du Beiträge auf deine gesamten Einnahmen, mindestens aber auf die Mindestbemessungsgrundlage und höchstens bis zur Beitragsbemessungsgrenze. Einen Arbeitgeberanteil gibt es nicht.

Wert 2026Betrag
Allgemeiner Beitragssatz (mit Krankengeld)14,6 Prozent
Ermäßigter Beitragssatz (ohne Krankengeld)14,0 Prozent
Durchschnittlicher Zusatzbeitrag2,9 Prozent (deine Kasse kann abweichen)
Pflegeversicherung3,6 Prozent, kinderlos 4,2 Prozent
Mindestbemessungsgrundlage1.318,33 Euro im Monat
Beitragsbemessungsgrenze5.812,50 Euro im Monat (69.750 Euro im Jahr)

Daraus folgt: Selbst bei sehr niedrigem Gewinn zahlst du 2026 mit Krankengeldanspruch und kinderlos rund 286 Euro im Monat. Ab 69.750 Euro Jahresgewinn steigt der Beitrag nicht weiter. Ob die private Krankenversicherung für dich günstiger ist, besprechen wir in PKV oder GKV für Selbstständige.

Die Beiträge zur Basiskranken- und Pflegeversicherung kannst du als Sonderausgaben von der Steuer absetzen. Besteht ein Anspruch auf Krankengeld, wird der Krankenversicherungsbeitrag dafür pauschal um 4 Prozent gekürzt (§ 10 Abs. 1 Nr. 3 EStG).

Einkommensteuer 2026

Die Einkommensteuer berechnest du auf das zu versteuernde Einkommen: Gewinn minus Sonderausgaben (vor allem Vorsorgeaufwendungen) und weitere Abzüge. Der Tarif nach § 32a EStG ist progressiv:

Zu versteuerndes Einkommen 2026Steuersatz
bis 12.348 Euro0 Prozent (Grundfreibetrag)
12.349 bis 69.878 Euroansteigend von 14 auf 42 Prozent
69.879 bis 277.825 Euro42 Prozent
ab 277.826 Euro45 Prozent

Der Steuersatz in der Tabelle gilt immer nur für den Euro, der in die jeweilige Zone fällt. Dein Durchschnittssteuersatz liegt deutlich darunter. Ab wann der Spitzensteuersatz für dich greift, erklärt Spitzensteuersatz für Selbstständige.

Solidaritätszuschlag: Er fällt erst an, wenn deine Einkommensteuer 20.350 Euro übersteigt (Zusammenveranlagung 40.700 Euro), und steigt dann gleitend an. Für die meisten Gründer spielt er keine Rolle.

Kirchensteuer: 8 oder 9 Prozent der Einkommensteuer je nach Bundesland, nur für Kirchenmitglieder.

Rechenbeispiele 2026

Annahmen für alle Beispiele: ledig, kinderlos, keine Kirchensteuer, Freiberufler, freiwillig gesetzlich versichert mit Krankengeld, durchschnittlicher Zusatzbeitrag 2,9 Prozent, Pflegeversicherung 4,2 Prozent. Abgezogen werden nur Kranken- und Pflegeversicherung als Sonderausgaben sowie der Sonderausgaben-Pauschbetrag von 36 Euro. Altersvorsorge ist noch nicht berücksichtigt. Alle Werte gerundet.

JahresgewinnKV + PVEinkommensteuerSoliNetto im JahrNetto im Monat
30.000 Euro6.510 Euro2.500 Euro0 Euro20.990 Euro1.749 Euro
45.000 Euro9.765 Euro5.824 Euro0 Euro29.411 Euro2.451 Euro
60.000 Euro13.020 Euro9.634 Euro0 Euro37.346 Euro3.112 Euro
90.000 Euro15.136 Euro20.497 Euro17 Euro54.350 Euro4.529 Euro

So entsteht die Zeile für 60.000 Euro Gewinn:

  1. Monatlicher Gewinn: 5.000 Euro, liegt unter der Beitragsbemessungsgrenze.
  2. Krankenversicherung: 5.000 × 17,5 % = 875 Euro im Monat, 10.500 Euro im Jahr.
  3. Pflegeversicherung: 5.000 × 4,2 % = 210 Euro im Monat, 2.520 Euro im Jahr.
  4. Sonderausgaben: 10.500 Euro × 96 % + 2.520 Euro = 12.600 Euro.
  5. Zu versteuerndes Einkommen: 60.000 − 12.600 − 36 = 47.364 Euro.
  6. Einkommensteuer nach Tarif 2026: 9.634 Euro. Soli fällt nicht an.
  7. Netto: 60.000 − 13.020 − 9.634 = 37.346 Euro.

Zum Vergleich: Wer in die Rentenversicherung einzahlt oder eine Basisrente bespart, senkt sein Netto, aber auch die Steuer, weil diese Beiträge ebenfalls Sonderausgaben sind. Welche Wege es gibt, zeigt Altersvorsorge für Selbstständige.

Gewerbesteuer: was Gewerbetreibende zusätzlich rechnen

Gewerbetreibende zahlen Gewerbesteuer, Freiberufler nicht. Ob du zu den Freiberuflern zählst, klärt Freiberufler oder Gewerbe.

So läuft die Rechnung für Einzelunternehmer:

  1. Gewinn (vereinfacht gleich Gewerbeertrag) auf volle 100 Euro abrunden.
  2. Freibetrag von 24.500 Euro abziehen (§ 11 GewStG).
  3. Mal Steuermesszahl 3,5 Prozent = Steuermessbetrag.
  4. Mal Hebesatz deiner Gemeinde = Gewerbesteuer.
  5. Auf die Einkommensteuer wird das Vierfache des Messbetrags angerechnet (§ 35 EStG), höchstens die tatsächlich gezahlte Gewerbesteuer.

Beispiel: 60.000 Euro Gewinn, Hebesatz 400 Prozent. Messbetrag: (60.000 − 24.500) × 3,5 % = 1.242,50 Euro. Gewerbesteuer: 1.242,50 × 400 % = 4.970 Euro. Anrechnung: 4 × 1.242,50 = 4.970 Euro. Unterm Strich zahlst du bei diesem Hebesatz praktisch keine Mehrbelastung. Liegt der Hebesatz deiner Gemeinde höher, etwa bei 490 Prozent, bleiben rund 1.118 Euro Gewerbesteuer übrig, die nicht angerechnet werden.

Typische Denkfehler

  • Umsatz mit Einkommen verwechseln. Die Umsatzsteuer auf deinen Rechnungen gehört dem Finanzamt. Leg sie sofort beiseite.
  • Vorauszahlungen vergessen. Nach der ersten Steuererklärung setzt das Finanzamt vierteljährliche Vorauszahlungen fest, oft zusammen mit einer Nachzahlung für das Vorjahr. Wer im ersten Jahr nichts zurücklegt, zahlt im zweiten doppelt.
  • Kranken- und Pflegeversicherung als Fixbetrag sehen. Die Kasse setzt den Beitrag zunächst vorläufig fest und rechnet nach dem Steuerbescheid nach. Steigt dein Gewinn, kommen Nachforderungen.
  • Altersvorsorge auf später schieben. Wer heute 3.100 Euro netto hat und nichts spart, vergleicht sich mit einem Angestellten, für den bereits Rentenbeiträge fließen.

Einen Überblick über alle Steuerarten im ersten Jahr findest du in Steuern als Selbstständiger.

Häufige Fragen

Was bleibt netto vom Gewinn eines Selbstständigen?

Das hängt vor allem von Gewinnhöhe, Krankenversicherung und Familienstand ab. Als grobe Orientierung bleiben einem ledigen, gesetzlich versicherten Freiberufler 2026 bei 30.000 Euro Gewinn rund 70 Prozent, bei 60.000 Euro rund 62 Prozent und bei 90.000 Euro rund 60 Prozent, jeweils vor Altersvorsorge.

Ist das Einkommen von Selbstständigen brutto oder netto?

Wenn Selbstständige von ihrem Einkommen sprechen, meinen sie meist den Gewinn vor Steuern und Sozialversicherung, also ein Brutto. Für Kredite oder Mietverträge zählt oft das Netto nach Steuern laut Steuerbescheid.

Wie viel Prozent sollte ich für Steuern zurücklegen?

Eine feste Quote gibt es nicht, weil der Tarif progressiv ist. Rechne mit deinem erwarteten Gewinn das Beispiel oben nach. Viele Gründer legen zusätzlich die komplette Umsatzsteuer auf ein separates Konto.

Zahlen Selbstständige weniger Steuern als Angestellte?

Der Einkommensteuertarif ist derselbe. Selbstständige können aber Betriebsausgaben absetzen, die Angestellte nicht als Werbungskosten geltend machen dürfen. Dafür tragen sie die Sozialversicherung allein.

Quellen

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