Finanzierung

Fixkosten berechnen: Formel, Beispiele und Break-even

Fixkosten berechnen in drei Schritten: Formel, Rechenbeispiel, Checkliste typischer Kosten für Gründer und wie du daraus den Break-even ableitest.

Symbolbild: Fixkosten berechnen: Formel, Beispiele und Break-even

Foto: Jakub Żerdzicki / Unsplash

Inhaltsverzeichnis
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Fixkosten und variable Kosten unterscheiden
  3. Fixkosten berechnen: drei Methoden
  4. Checkliste: typische Fixkosten für Gründer
  5. Rechenbeispiel: vom Fixkostenblock zum Break-even
  6. Fixkosten senken und absichern
  7. Häufige Fragen
  8. Quellen

Um deine Fixkosten zu berechnen, addierst du alle Kosten, die jeden Monat anfallen, egal ob du viel, wenig oder gar nichts verkaufst: Miete, Versicherungen, Software-Abos, Kredite, feste Gehälter und deinen eigenen Unternehmerlohn. Kennst du nur deine Gesamtkosten, gilt die Formel: Fixkosten = Gesamtkosten minus variable Kosten. Die Summe ist die wichtigste Zahl für deine Planung, denn aus ihr leitest du ab, wie viel Umsatz du mindestens brauchst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Fixkosten bleiben unabhängig von der Absatzmenge gleich, variable Kosten steigen mit jedem verkauften Stück oder jeder Stunde.
  • Formel: Fixkosten = Gesamtkosten − (variable Stückkosten × Menge).
  • Break-even: Fixkosten ÷ (Preis − variable Stückkosten) = Menge, ab der du Gewinn machst.
  • Für Selbstständige gehören private Fixkosten wie Krankenversicherung und Lebensunterhalt in die Rechnung.
  • Tipp: Rechne monatlich und berücksichtige jährliche Zahlungen anteilig.

Fixkosten und variable Kosten unterscheiden

KostenartMerkmalBeispiele
Fixkostenfallen in gleicher Höhe an, auch ohne UmsatzMiete, Versicherungen, Leasing, Software-Abos, Kreditraten, Grundgehälter
Variable Kostensteigen und fallen mit der MengeMaterial, Wareneinsatz, Versand, Zahlungsgebühren, Provisionen
Sprungfixe Kostenbleiben bis zu einer Grenze fix, steigen dann sprunghaftzweiter Mitarbeiter, größeres Lager, zusätzlicher Server

Manche Kosten sind gemischt. Dein Handyvertrag hat eine feste Grundgebühr, die Telefonkosten darüber sind variabel. Teile solche Posten auf. Abschreibungen auf Anschaffungen zählen zu den Fixkosten. Geringwertige Wirtschaftsgüter bis 800 Euro netto kannst du steuerlich sofort im Anschaffungsjahr abziehen (§ 6 Abs. 2 EStG). Für die Liquiditätsplanung zählt aber der tatsächliche Geldabfluss.

Fixkosten berechnen: drei Methoden

Methode 1: Kosten direkt aufaddieren

Für Gründer die beste Methode. Liste alle festen Posten auf, rechne jährliche Zahlungen auf den Monat um (Jahresbeitrag ÷ 12) und addiere sie. Die Checkliste weiter unten hilft dabei.

Methode 2: aus Gesamtkosten zurückrechnen

Kennst du Gesamtkosten, Menge und variable Stückkosten, gilt:

Fixkosten = Gesamtkosten − variable Stückkosten × Menge

Beispiel: Ein Onlineshop hat im Monat 9.000 Euro Gesamtkosten. Er verschickt 600 Pakete mit variablen Kosten von 10 Euro pro Paket (Ware, Verpackung, Versand). Fixkosten = 9.000 − 10 × 600 = 3.000 Euro.

Methode 3: aus zwei Monaten ableiten

Weißt du nur Gesamtkosten und Menge aus zwei Monaten, ermittelst du zuerst die variablen Stückkosten:

Variable Stückkosten = (Kosten Monat 2 − Kosten Monat 1) ÷ (Menge Monat 2 − Menge Monat 1)

Beispiel: Im März 600 Pakete bei 9.000 Euro Kosten, im April 800 Pakete bei 11.000 Euro. Variable Stückkosten = 2.000 ÷ 200 = 10 Euro. Fixkosten = 11.000 − 10 × 800 = 3.000 Euro. Die Methode funktioniert nur, wenn sich zwischen den Monaten keine sprungfixen Kosten verändert haben.

Checkliste: typische Fixkosten für Gründer

Betrieb

  • Miete und Nebenkosten für Büro, Laden oder Werkstatt (Tipps dazu in Büroräume mieten)
  • Strom, Internet, Telefon (Grundgebühren)
  • Betriebliche Versicherungen, etwa Betriebs- oder Berufshaftpflicht
  • Software und Abos: Buchhaltung, Website-Hosting, Shop-System, Cloud-Speicher
  • Steuerberatung und Buchhaltung, Kammerbeiträge
  • Leasing und Kreditraten, zum Beispiel für ein KfW StartGeld
  • Feste Gehälter inklusive Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung
  • Abschreibungen auf Geräte, Fahrzeuge und Einrichtung
  • Kontoführung und Grundgebühren von Zahlungsdienstleistern

Privat (für Einzelunternehmer und Freiberufler)

  • Kranken- und Pflegeversicherung: Als freiwillig gesetzlich versicherte Selbstständige zahlst du mindestens Beiträge auf eine Mindestbemessungsgrundlage (§ 240 Abs. 4 SGB V), auch wenn dein Gewinn darunter liegt. Den aktuellen Mindestbeitrag nennt deine Krankenkasse. Mehr in PKV oder GKV für Selbstständige.
  • Altersvorsorge und Berufsunfähigkeitsversicherung
  • Miete, Lebensmittel, Mobilität und alle übrigen Lebenshaltungskosten
  • Rücklagen für Einkommensteuer

Der private Teil fehlt in vielen Rechnungen. Dann sieht ein Geschäft profitabel aus, obwohl es seinen Inhaber nicht ernährt.

Rechenbeispiel: vom Fixkostenblock zum Break-even

Beispiel: Eine Keramikerin verkauft handgemachte Tassen online und auf Märkten.

Postenpro Monat
Werkstattmiete inkl. Nebenkosten650 Euro
Brennofen-Leasing120 Euro
Versicherungen (betrieblich)40 Euro
Shop-System, Website, Buchhaltungssoftware70 Euro
Steuerberatung (Jahreshonorar ÷ 12)100 Euro
Marktstandgebühren (Jahrespauschale ÷ 12)80 Euro
Betriebliche Fixkosten1.060 Euro
Unternehmerlohn (Lebensunterhalt, Krankenversicherung, Vorsorge, Steuerrücklage)2.400 Euro
Fixkosten gesamt3.460 Euro

Eine Tasse kostet 38 Euro netto. Ton, Glasur, Strom für den Brand, Verpackung und Zahlungsgebühren ergeben 9 Euro variable Kosten pro Stück. Der Deckungsbeitrag (Preis minus variable Kosten) liegt bei 29 Euro.

Break-even = 3.460 ÷ 29 = 119,3, also rund 120 Tassen pro Monat.

Ohne Unternehmerlohn wären es nur 37 Tassen. Diese Zahl führt in die Irre: Mit 37 Tassen ist die Werkstatt bezahlt, dein eigenes Leben aber noch nicht. Für Dienstleister funktioniert dieselbe Rechnung mit Stunden statt Stück. Wie du daraus deinen Preis ableitest, zeigt Stundensatz berechnen.

Fixkosten senken und absichern

  • Kündbarkeit prüfen. Monatlich kündbare Verträge sind in der Startphase oft wertvoller als ein Rabatt für zwei Jahre Laufzeit.
  • Variabel statt fix. Coworking statt Mietvertrag, Freelancer statt Festanstellung, Fulfillment-Dienstleister statt eigenem Lager.
  • Abos aufräumen. Geh einmal im Quartal alle Abbuchungen durch und kündige, was niemand nutzt.
  • Puffer bilden. Eine Rücklage in Höhe mehrerer Monate Fixkosten schützt dich bei Auftragsflaute. Wie du sie aufbaust, steht in Notfallfonds für Startups.
  • Im Businessplan sauber trennen. Banken und Förderstellen schauen genau auf das Verhältnis von Fixkosten zu Umsatz. Hinweise zum Finanzteil gibt Businessplan oder Lean Canvas.

Häufige Fragen

Wie berechne ich Fixkosten, wenn ich noch keinen Umsatz habe?

Addiere alle festen Kosten, die mit dem Start anfallen, aus Angeboten, Verträgen und Kostenvoranschlägen. Die Rückrechnung aus Gesamtkosten funktioniert erst, wenn du echte Zahlen hast.

Zählt mein eigenes Gehalt zu den Fixkosten?

Steuerlich ist der Unternehmerlohn bei Einzelunternehmen keine Betriebsausgabe. Für deine Planung gehört er aber in die Fixkosten, weil du ihn jeden Monat brauchst, unabhängig vom Umsatz.

Was sind sprungfixe Kosten?

Kosten, die bis zu einer bestimmten Auslastung gleich bleiben und dann auf einen Schlag steigen. Ein Beispiel ist der zweite Mitarbeiter, sobald du die Aufträge allein nicht mehr schaffst.

Wie hängen Fixkosten und Break-even zusammen?

Je höher die Fixkosten, desto mehr musst du verkaufen, bevor du Gewinn machst. Die Formel lautet: Break-even-Menge = Fixkosten ÷ (Preis − variable Stückkosten).

Quellen

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