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Dropshipping ist ein Handelsmodell, bei dem du Produkte verkaufst, die du nie selbst auf Lager hast. Der Kunde bestellt in deinem Shop, du gibst die Bestellung an einen Lieferanten weiter, und der verschickt die Ware direkt an den Kunden. Du sparst Lager und Vorfinanzierung, bleibst aber rechtlich der Verkäufer: Widerruf, Gewährleistung, Produktsicherheit und Verpackungspflichten liegen bei dir. Seit dem 1. Juli 2026 kostet außerdem jede Kleinsendung aus Nicht-EU-Ländern Zoll, was viele China-Modelle verteuert.
Das Wichtigste in Kürze
- Prinzip: Du verkaufst, der Lieferant lagert und versendet. Dein Gewinn ist die Differenz aus Verkaufspreis und Einkaufspreis plus Nebenkosten.
- Vertragspartner des Kunden bist du. 14 Tage Widerrufsrecht und zwei Jahre Gewährleistung gelten gegenüber Verbrauchern unabhängig vom Lieferanten.
- Zoll: Seit 1. Juli 2026 fällt auf Sendungen bis 150 Euro aus Drittländern ein Pauschalzoll von 3 Euro je Warenkategorie an, zusätzlich zur Einfuhrumsatzsteuer.
- Produktsicherheit: Seit 13. Dezember 2024 verlangt die EU-Produktsicherheitsverordnung (GPSR) Hersteller- und EU-Kontaktdaten im Angebot.
- Anmeldung: Dropshipping ist ein Gewerbe. Gewerbeanmeldung und steuerliche Erfassung sind Pflicht.
Was ist Dropshipping?
Der Begriff kommt aus dem Englischen („drop ship“, direkt versenden) und heißt im Deutschen auch Streckengeschäft. Drei Parteien sind beteiligt:
- Kunde: bestellt und bezahlt in deinem Shop.
- Du als Händler: betreibst den Shop, machst Marketing, nimmst Zahlungen an, betreust Kunden.
- Lieferant oder Großhändler: lagert die Ware, verpackt und versendet sie im Auftrag des Händlers, meist ohne eigenes Logo oder mit deinem Branding.
Der Kunde zahlt dir den Verkaufspreis. Du zahlst dem Lieferanten den Einkaufspreis plus Versand. Lieferanten sitzen häufig in China, zunehmend aber auch in der EU oder in Deutschland.
Wie funktioniert Dropshipping konkret?
- Nische und Produkt wählen. Gefragt sind Produkte mit klarer Zielgruppe, Preisspielraum und wenig Erklärungsbedarf. Wie du Lücken findest, steht in Marktlücke finden.
- Lieferanten prüfen. Lass dir Muster schicken, prüfe Lieferzeiten, Qualität, Retourenprozess und ob der Lieferant die nötigen Produktdokumente liefert.
- Shop aufbauen. Viele nutzen Shopsysteme mit Dropshipping-Apps, die Bestellungen automatisch weiterleiten. Die Grundlagen zeigt Onlineshop erstellen. Alternativ verkaufst du über Marktplätze oder Social Commerce, etwa den TikTok Shop.
- Bestellung weiterleiten. Nach Zahlungseingang geht der Auftrag an den Lieferanten, der Kunde bekommt eine Sendungsnummer.
- Service und Retouren. Reklamationen und Widerrufe landen bei dir, nicht beim Lieferanten. Du brauchst eine Rücksendeadresse und einen Prozess für Erstattungen.
Vor- und Nachteile
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Kein Lager, kein gebundenes Kapital für Ware | Geringe Margen, hoher Preisdruck |
| Start mit kleinem Budget möglich | Kaum Kontrolle über Qualität und Versandzeit |
| Sortiment lässt sich schnell testen und ändern | Du haftest für Fehler des Lieferanten |
| Ortsunabhängig zu betreiben | Hohe Werbekosten, um Kunden zu gewinnen |
| Kein Versandaufwand | Retouren aus Drittländern teuer und langsam |
Dropshipping in Deutschland: legal, aber mit Pflichten
Dropshipping ist in Deutschland erlaubt. Die meisten Probleme entstehen, weil Gründer die Händlerpflichten unterschätzen.
Gewerbe und Steuern
Du betreibst ein Gewerbe. Melde es beim Gewerbeamt an und gib danach den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung ab. Wie das geht, steht in Einzelunternehmen gründen. Die Umsatzsteuer bei Waren aus Drittländern ist komplex: Ob du, dein Lieferant oder eine Plattform die Einfuhrumsatzsteuer abführt und ob das Import-One-Stop-Shop-Verfahren (IOSS) greift, hängt von deiner Vertragsgestaltung ab. Kläre das mit einer Steuerberatung, bevor du den ersten Artikel verkaufst.
Verbraucherrechte
- Widerrufsrecht: Verbraucher können Fernabsatzverträge innerhalb von 14 Tagen widerrufen (§ 355 BGB). Du erstattest den Kaufpreis, auch wenn dein Lieferant keine Retouren annimmt.
- Gewährleistung: Mängelansprüche verjähren bei neuen Waren nach zwei Jahren (§ 438 BGB). Ist das Produkt defekt, haftest du gegenüber dem Kunden.
- Lieferzeit: Gib realistische Lieferzeiten an. Versand aus Fernost dauert oft deutlich länger als Kunden erwarten.
Impressum, AGB, Datenschutz
Dein Shop braucht ein Impressum nach § 5 Digitale-Dienste-Gesetz mit Name, ladungsfähiger Anschrift und E-Mail-Adresse. Dazu kommen Widerrufsbelehrung, Datenschutzerklärung und in der Regel AGB. Hilfe gibt Impressum erstellen.
Produktsicherheit (GPSR)
Seit dem 13. Dezember 2024 gilt die EU-Produktsicherheitsverordnung 2023/988. Jedes Online-Angebot muss laut IHK unter anderem enthalten:
- Name, Marke, Postanschrift und E-Mail-Adresse des Herstellers
- wenn der Hersteller nicht in der EU sitzt: Name, Postanschrift und E-Mail einer verantwortlichen Person in der EU
- Abbildung und Produktidentifikation (zum Beispiel Typ- oder Chargennummer)
- Warnhinweise und Sicherheitsinformationen in deutscher Sprache
Viele Billigprodukte aus Drittländern haben keinen EU-Verantwortlichen. Diese darfst du nicht anbieten. Für Elektrogeräte, Batterien, Spielzeug oder Kosmetik kommen weitere Pflichten wie CE-Kennzeichnung oder Registrierungen hinzu.
Verpackungsregister
Seit dem 12. August 2026 gilt in Deutschland das Verpackungsrecht-Durchführungsgesetz (VerpackDG). Laut Zentraler Stelle Verpackungsregister muss im Verpackungsregister LUCID registriert sein, wer in Deutschland verpackte Waren vertreibt, und Versandverpackungen sind ausnahmslos systembeteiligungspflichtig. Wer aus dem Ausland direkt an Endkunden in Deutschland versendet, gilt mindestens für die Versandverpackung als Hersteller und braucht ohne deutsche Niederlassung einen Bevollmächtigten. Wer in deinem Dropshipping-Modell diese Pflicht trägt, hängt von der konkreten Gestaltung ab. Kläre es schriftlich mit dem Lieferanten und prüfe die Hinweise der Zentralen Stelle. Mehr dazu in Verpackungsregister LUCID.
Zoll und Einfuhrumsatzsteuer seit Juli 2026
Für Waren aus Drittländern wie China, den USA oder Großbritannien gilt:
| Abgabe | Regelung (Stand Oktober 2026) |
|---|---|
| Einfuhrumsatzsteuer | fällt seit 1. Juli 2021 ab dem ersten Euro an |
| Zoll bis 150 Euro Warenwert | seit 1. Juli 2026 pauschal 3 Euro je Warenkategorie (Zollunterposition), die frühere Zollfreiheit entfällt |
| Zoll über 150 Euro | regulärer Zollsatz nach Warenart |
| Servicegebühr | Paketdienste können für die Zollanmeldung eine Gebühr verlangen |
Die 3-Euro-Pauschale ist als Übergangslösung bis zur EU-Zollreform gedacht, vorgesehen ist sie nach Angaben des Europäischen Verbraucherzentrums bis zum 1. Juli 2028. Eine Sendung mit zwei verschiedenen Warenkategorien kostet 6 Euro Zoll. Kommt die Ware beim Kunden mit offenen Gebühren an, verweigert er oft die Annahme. Kalkuliere deshalb mit verzollter Lieferung, bei der die Abgaben vor dem Versand bezahlt sind.
Beispielkalkulation
Beispiel: Du verkaufst eine Handyhalterung an Verbraucher in Deutschland. Alle Werte sind Annahmen zur Veranschaulichung, du bist umsatzsteuerpflichtig, die Ware kommt verzollt aus China.
| Position | Betrag |
|---|---|
| Verkaufspreis brutto | 29,90 Euro |
| darin enthaltene Umsatzsteuer (19 %) | − 4,77 Euro |
| Nettoerlös | 25,13 Euro |
| Einkaufspreis inkl. Versand | − 8,00 Euro |
| Zollpauschale (eine Warenkategorie) | − 3,00 Euro |
| Zahlungsgebühren (angenommen 3 %) | − 0,90 Euro |
| Werbekosten pro Verkauf (angenommen) | − 9,00 Euro |
| Deckungsbeitrag vor Retouren und Fixkosten | 4,23 Euro |
Die Einfuhrumsatzsteuer ist hier nicht als Kosten angesetzt, weil sie bei korrekter Abwicklung als Vorsteuer abziehbar ist. Schon zwei bis drei Retouren pro 100 Bestellungen oder steigende Werbepreise können die Marge aufzehren. Erfolgreiche Dropshipper arbeiten deshalb mit höheren Verkaufspreisen, Bundles oder Lieferanten in der EU.
Dropshipping anfangen: Checkliste
- [ ] Produkt mit Preisspielraum über 3 zu 1 zum Einkaufspreis finden
- [ ] Muster bestellen, Qualität und Lieferzeit selbst testen
- [ ] GPSR-Angaben, CE-Kennzeichnung und EU-Verantwortlichen beim Lieferanten anfordern
- [ ] Klären, wer Verpackungsregistrierung und Systembeteiligung übernimmt
- [ ] Zoll- und Steuerabwicklung schriftlich mit Lieferant und Steuerberatung festlegen
- [ ] Gewerbe anmelden, Fragebogen zur steuerlichen Erfassung abgeben
- [ ] Impressum, Widerrufsbelehrung, Datenschutz und AGB einbinden
- [ ] Retourenadresse in Deutschland oder der EU organisieren
- [ ] Kalkulation mit Werbekosten und Retourenquote durchrechnen
Häufige Fragen
Ist Dropshipping in Deutschland legal?
Ja. Du musst aber alle Pflichten eines normalen Onlinehändlers erfüllen, von der Gewerbeanmeldung über Verbraucherrechte bis zu Produktsicherheit und Verpackungsregister. Dass ein Lieferant versendet, entlastet dich gegenüber dem Kunden nicht.
Wie viel Startkapital brauche ich für Dropshipping?
Für Ware brauchst du kaum Kapital, weil du erst nach dem Verkauf einkaufst. Kosten entstehen für Shopsystem, Rechtstexte, Muster und vor allem Werbung. Plane ein Testbudget für Anzeigen ein, das du verlieren kannst, ohne in Schwierigkeiten zu geraten.
Wer zahlt den Zoll beim Dropshipping?
Zollschuldner ist der Anmelder, also Plattform, Verkäufer, Spediteur oder ein Beauftragter. Wer das in deinem Modell ist, legst du mit dem Lieferanten fest. Für das Kundenerlebnis ist eine verzollte Lieferung ohne Nachforderungen an der Haustür fast immer besser.
Muss ich als Dropshipper Kleinunternehmer sein?
Nein, das ist eine Wahl. Als Kleinunternehmer weist du keine Umsatzsteuer aus, kannst aber auch keine Vorsteuer abziehen, auch nicht die Einfuhrumsatzsteuer. Bei Wareneinkauf aus Drittländern ist die Regelbesteuerung deshalb oft günstiger.
Was ist der Unterschied zwischen Dropshipping und Fulfillment?
Beim Dropshipping gehört die Ware bis zum Verkauf dem Lieferanten. Beim Fulfillment kaufst du Ware ein und lagerst sie bei einem Dienstleister, der für dich versendet. Fulfillment bindet Kapital, gibt dir aber mehr Kontrolle über Qualität und Lieferzeit.
Dieser Artikel ersetzt keine individuelle Rechts- oder Steuerberatung.
Quellen
- IHK Braunschweig: Wegfall der 150-Euro-Zollfreigrenze ab 01.07.2026
- Europäisches Verbraucherzentrum: Neue Zollpauschale ab 1. Juli 2026
- IHK Lahn-Dill: Wegfall der 22-Euro-Grenze für die Einfuhrumsatzsteuer
- IHK Ostwestfalen: Produktsicherheit (GPSR)
- Zentrale Stelle Verpackungsregister: Versand- und Onlinehandel
- § 355 BGB – Widerrufsrecht
- § 438 BGB – Verjährung der Mängelansprüche
- § 5 Digitale-Dienste-Gesetz – Impressumspflicht







