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Ein Pitch Deck ist eine kurze Präsentation, meist 10 bis 15 Folien, mit der du Investoren in wenigen Minuten erklärst, welches Problem du löst, warum dein Team das schafft und wie viel Geld du wofür brauchst. Es ist aber nur eine von mehreren Unterlagen: Für den Erstkontakt reicht oft ein One Pager. Spätestens wenn ein Investor ernsthaft interessiert ist, braucht er Finanzplan, Cap Table und einen Datenraum für die Prüfung. Wer alles vorbereitet hat, verkürzt die Finanzierungsrunde um Wochen.
Das Wichtigste in Kürze
- Pitch Deck: 10 bis 15 Folien, eine Kernaussage pro Folie. Problem, Lösung, Markt, Traktion, Team und Kapitalbedarf sind Pflicht.
- Zwei Versionen: eine zum Versenden, die ohne dich verständlich ist, und eine zum Präsentieren mit weniger Text.
- Unterlagen nach Phase: Erstkontakt mit One Pager oder Kurz-Deck, Zweitgespräch mit Finanzplan, Due Diligence mit vollständigem Datenraum.
- Cap Table und Gesellschafterliste müssen übereinstimmen. Widersprüche kosten Vertrauen.
- Kein Deck ersetzt Belege. Echte Kunden, Umsätze und Nutzerzahlen überzeugen mehr als Design.
Welche Unterlagen du wann brauchst
| Phase | Unterlagen | Ziel |
|---|---|---|
| Erstkontakt | One Pager oder kurzes Pitch Deck als PDF, kurze Anschreiben-Mail | Interesse wecken, Termin bekommen |
| Erstgespräch | Pitch Deck (Präsentationsversion), dein Elevator Pitch | Zweites Gespräch erreichen |
| Vertiefung | Finanzplan, Cap Table, Produkt-Demo, Kundenreferenzen | Investor überzeugt sich von Zahlen und Produkt |
| Due Diligence | Datenraum mit Verträgen, Registerunterlagen, IP, Finanzen | Prüfung von Risiken |
| Abschluss | Term Sheet, Beteiligungsvertrag, Satzung | Bedingungen festhalten |
Ein ausführlicher Businessplan wird von Business Angels und VCs selten verlangt. Banken und Förderprogramme wollen ihn dagegen fast immer. Welche Form wann sinnvoll ist, erklärt Businessplan oder Lean Canvas.
Pitch Deck Aufbau: die wichtigsten Folien
Die Wagniskapitalgesellschaft Sequoia Capital empfiehlt in ihrem Leitfaden zehn Themen: Unternehmenszweck, Problem, Lösung, „Why now“, Marktpotenzial, Wettbewerb, Geschäftsmodell, Team, Finanzen und Vision. Für deutsche Frühphaseninvestoren haben sich zusätzlich Traktion und ein klarer Kapitalbedarf als eigene Folien bewährt.
| Nr. | Folie | Inhalt |
|---|---|---|
| 1 | Titel | Name, ein Satz zum Unternehmenszweck, Kontakt |
| 2 | Problem | Wer hat welches Problem, wie wird es heute gelöst, warum reicht das nicht |
| 3 | Lösung | Dein Produkt und sein entscheidender Vorteil, gern mit Screenshot |
| 4 | Warum jetzt | Technologie, Regulierung oder Verhalten, das sich gerade ändert |
| 5 | Markt | Zielkunden und realistische Marktgröße, nachvollziehbar hergeleitet |
| 6 | Geschäftsmodell | Wer zahlt wie viel wofür, Preise, Vertriebsweg |
| 7 | Traktion | Umsatz, Nutzer, Pilotkunden, Wachstum, Absichtserklärungen |
| 8 | Wettbewerb | Direkte und indirekte Alternativen, deine Abgrenzung |
| 9 | Team | Gründer und Schlüsselpersonen, relevante Erfahrung |
| 10 | Finanzen | Kernzahlen der nächsten drei bis fünf Jahre, wichtigste Annahmen |
| 11 | Kapitalbedarf | Betrag, Verwendung, Meilensteine, Laufzeit des Geldes |
| 12 | Vision | Wo das Unternehmen in fünf Jahren steht |
Tipps für die einzelnen Folien
- Problem: Beschreibe einen konkreten Kunden in einer konkreten Situation. „Steuerberater verlieren pro Mandant zwei Stunden im Monat mit Belegsuche“ ist stärker als „ineffiziente Prozesse“.
- Markt: Leite die Marktgröße von unten her: Anzahl Zielkunden × realistischer Preis. Riesige Zahlen aus allgemeinen Studien wirken unglaubwürdig.
- Traktion: Zeig Verläufe statt Momentaufnahmen. Wenn du noch keinen Umsatz hast, zählen Pilotprojekte, Wartelisten oder unterschriebene Absichtserklärungen.
- Wettbewerb: „Wir haben keine Konkurrenz“ ist der häufigste Warnhinweis für Investoren. Auch Excel oder „nichts tun“ ist eine Alternative.
- Team: Zeig, warum genau ihr dieses Problem lösen könnt. Lebensläufe gehören in den Anhang.
Versand- und Präsentationsversion
Ein Deck, das du per E-Mail verschickst, wird ohne dich gelesen. Es braucht vollständige Sätze und muss allein verständlich sein. Die Version für den Live-Pitch hat weniger Text, größere Zahlen und Bilder. Du lieferst die Erklärung mündlich. Verschicke das Deck als PDF, nicht als bearbeitbare Datei.
Rechenbeispiel: die Folie Kapitalbedarf
Investoren wollen wissen, was ihr Geld bewirkt. Beispiel: Ein B2B-Software-Startup sucht 600.000 Euro und plant damit 18 Monate.
| Verwendung | Betrag | Anteil |
|---|---|---|
| Produktentwicklung (zwei Entwickler) | 300.000 Euro | 50 % |
| Vertrieb und Marketing | 180.000 Euro | 30 % |
| Betrieb, Infrastruktur, Recht | 72.000 Euro | 12 % |
| Reserve | 48.000 Euro | 8 % |
| Gesamt | 600.000 Euro | 100 % |
Daraus ergibt sich eine monatliche Burn Rate, also ein Mittelabfluss, von rund 33.300 Euro. Auf die Folie gehört außerdem der Meilenstein, den ihr bis Monat 18 erreicht, zum Beispiel „50 zahlende Kunden und 40.000 Euro monatlich wiederkehrender Umsatz“. Dieser Meilenstein ist die Grundlage für die nächste Finanzierungsrunde.
Finanzplan und Cap Table
Finanzplan: Eine Tabelle mit Umsatz, Kosten, Personalplanung und Liquidität für drei bis fünf Jahre, im ersten Jahr monatlich. Wichtiger als die Zahlen selbst sind die Annahmen dahinter: Wie viele Kunden gewinnt ihr pro Monat, zu welchem Preis, mit welchen Vertriebskosten? Investoren verändern diese Annahmen im Gespräch und wollen sehen, dass dein Modell stimmt.
Cap Table: Die Übersicht, wem welche Anteile gehören, inklusive geplanter Mitarbeiterbeteiligung und gewandelter Darlehen. Sie muss zur Gesellschafterliste passen, die Geschäftsführer einer GmbH nach § 40 GmbHG nach jeder Änderung beim Handelsregister einreichen. Plant ihr ein Programm für Mitarbeitende, zeig es in der Cap Table. Die Modelle erklärt Mitarbeiterbeteiligung.
Der Datenraum für die Due Diligence
Due Diligence ist die genaue Prüfung deines Unternehmens vor der Investition. Lege dafür einen digitalen Ordner mit klarer Struktur an. Diese Checkliste deckt das ab, was Frühphaseninvestoren üblicherweise anfragen:
Gesellschaft
- aktueller Handelsregisterauszug
- Gesellschaftsvertrag beziehungsweise Satzung
- aktuelle Gesellschafterliste
- Gesellschaftervereinbarungen und frühere Beteiligungsverträge
- Protokolle von Gesellschafterbeschlüssen
Finanzen
- Jahresabschlüsse oder Einnahmen-Überschuss-Rechnungen
- aktuelle betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA)
- Finanzplan mit Annahmen
- Übersicht über Darlehen, Förderungen und Zuschüsse
Verträge und Personal
- wichtige Kunden- und Lieferantenverträge
- Arbeits- und Freelancerverträge, besonders mit Regelungen zu Rechten an Arbeitsergebnissen
- Geschäftsführerverträge
Produkt und Rechte
- Marken- und Patentanmeldungen
- Nachweis, dass Code und Designs dem Unternehmen gehören
- Liste genutzter Open-Source-Komponenten und deren Lizenzen
- Datenschutzdokumentation
Förderung
- Bei Angel-Investments: Bescheid über die Förderfähigkeit im INVEST-Programm, falls vorhanden
BAND stellt mit den GESSI-Dokumenten Standardvorlagen für Verträge bereit, die die Interessen von Startups und Investoren ausgewogen berücksichtigen sollen. Sie eignen sich als Ausgangspunkt für Term Sheet und Beteiligungsvertrag. Eine anwaltliche Prüfung ersetzen sie nicht.
Typische Fehler im Pitch Deck
- Zu viele Folien und zu viel Text. Wenn du eine Folie nicht in einem Satz zusammenfassen kannst, ist sie überladen.
- Keine Zahl zur Traktion. Selbst kleine, echte Zahlen sind besser als keine.
- Unrealistische Hockeyschläger-Prognose ohne Herleitung.
- Kein konkreter Betrag oder keine Aussage, wofür das Geld eingesetzt wird.
- Unpassender Empfänger. Das beste Deck hilft nicht beim falschen Investor. Wie du die richtigen findest, steht in Investoren finden.
Häufige Fragen
Wie viele Folien sollte ein Pitch Deck haben?
Meist reichen 10 bis 15 Folien. Ergänzende Details wie ausführliche Finanzen, Lebensläufe oder technische Erklärungen gehören in einen Anhang, den du bei Nachfragen zeigst.
Brauche ich ein NDA, bevor ich mein Pitch Deck verschicke?
Viele Investoren unterschreiben vor dem Erstkontakt keine Vertraulichkeitsvereinbarung, weil sie täglich ähnliche Ideen sehen. Verschicke deshalb nichts, was du nicht teilen willst. Technische Details und Verträge kommen erst in der Due Diligence auf den Tisch.
Was ist der Unterschied zwischen Pitch Deck und One Pager?
Der One Pager fasst dein Startup auf einer Seite zusammen und dient dem Erstkontakt. Das Pitch Deck erzählt die ganze Geschichte auf mehreren Folien und begleitet das Gespräch.
Muss ich einen Businessplan für Investoren schreiben?
Business Angels und VC-Fonds verlangen ihn selten. Sie arbeiten mit Pitch Deck, Finanzplan und Datenraum. Für Bankkredite und viele Förderprogramme brauchst du dagegen einen klassischen Businessplan.







