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TikTok-Einnahmen versteuern: Was Creator wissen müssen

TikTok-Einnahmen versteuern: Gewerbe anmelden, Einkommensteuer, Umsatzsteuer bei Auszahlungen aus dem Ausland, Geschenke, Produkte und richtig verbuchen.

Symbolbild: TikTok-Einnahmen versteuern: Was Creator wissen müssen

Foto: TheRegisti / Unsplash

Inhaltsverzeichnis
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Welche TikTok-Einnahmen steuerpflichtig sind
  3. Gewerbe oder Hobby
  4. Anmeldung in drei Schritten
  5. Einkommensteuer auf TikTok-Einnahmen
  6. Umsatzsteuer bei TikTok-Einnahmen
  7. Produkte, Reisen und Geschenke
  8. Meldungen der Plattform an das Finanzamt
  9. Beispiel: TikTok-Einnahmen richtig verbuchen
  10. Häufige Fragen
  11. Quellen

Wer mit TikTok Geld verdient, muss diese Einnahmen versteuern, egal ob sie aus Kooperationen mit Marken, aus TikToks Vergütungsprogrammen, aus LIVE-Geschenken oder aus Affiliate-Provisionen stammen. In der Regel ist das ein Gewerbe: Du meldest es bei der Gemeinde an, zahlst Einkommensteuer auf den Gewinn und klärst die Umsatzsteuer. Auch kostenlos zugeschickte Produkte können steuerpflichtige Einnahmen sein. Dieser Artikel ersetzt keine individuelle Rechts- oder Steuerberatung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Gewerbe: Wer regelmäßig mit TikTok Geld verdienen will, betreibt meist ein Gewerbe nach § 15 Abs. 2 EStG. Anmeldung bei der Gemeinde, danach Fragebogen ans Finanzamt.
  • Einkommensteuer: Steuerpflichtig ist der Gewinn, also Einnahmen minus Ausgaben. 2026 bleiben bis 12.348 Euro zu versteuerndes Einkommen steuerfrei, wenn du keine anderen Einkünfte hast.
  • Nebenbei mit Job: Ab mehr als 410 Euro Einkünften im Jahr neben dem Gehalt musst du eine Steuererklärung abgeben.
  • Umsatzsteuer: Kleinunternehmer bis 25.000 Euro Vorjahresumsatz sind befreit. Zahlt dir ein ausländisches Unternehmen, gilt oft das Reverse-Charge-Verfahren.
  • Sachleistungen: Produkte, Reisen oder Einladungen im Gegenzug für Content sind Betriebseinnahmen.

Welche TikTok-Einnahmen steuerpflichtig sind

EinnahmequelleWer zahlt typischerweiseSteuerliche Einordnung
Markenkooperation, bezahlter PostUnternehmen oder AgenturBetriebseinnahme, Umsatzsteuer je nach Sitz des Kunden
Vergütungsprogramm von TikTok für Videoseine TikTok-GesellschaftBetriebseinnahme, Leistungsort prüfen
LIVE-Geschenke, die in Geld ausgezahlt werdeneine TikTok-GesellschaftBetriebseinnahme
Affiliate-Provisionen, etwa über TikTok ShopPlattform oder HändlerBetriebseinnahme
Eigene Produkte im TikTok ShopEndkunden über die PlattformWarenverkauf, Umsatzsteuer, Meldung nach PStTG möglich
Kostenlose Produkte, Reisen, Events gegen ContentUnternehmenSachleistung, Betriebseinnahme mit dem Marktwert

Welche Vergütungsprogramme es gibt und welche Voraussetzungen TikTok an Follower oder Aufrufe stellt, ändert die Plattform regelmäßig. Maßgeblich sind die aktuellen Nutzungsbedingungen im Creator-Bereich deiner App. Prüfe dort auch, welche TikTok-Gesellschaft mit Sitz in welchem Land dir die Auszahlung schuldet. Das ist für die Umsatzsteuer entscheidend.

Gewerbe oder Hobby

Ein Gewerbe ist nach § 15 Abs. 2 EStG eine selbstständige, nachhaltige Tätigkeit mit Gewinnerzielungsabsicht, die sich am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr beteiligt. Wer Kooperationen annimmt, ein Vergütungsprogramm nutzt oder Provisionen verdient, erfüllt diese Merkmale in aller Regel. Das gilt auch nebenberuflich und auch bei kleinen Beträgen.

Freiberuflich nach § 18 EStG wäre die Tätigkeit nur, wenn die künstlerische oder journalistische Arbeit im Vordergrund steht. Bei Influencer-Marketing überwiegt meist die Werbeleistung. Rechne deshalb mit einer Gewerbeanmeldung. Die Abgrenzung im Detail beschreibt der Artikel Freiberuf oder Gewerbe.

Gelegentliche Geschenke von Followern ohne jeden geschäftlichen Bezug sind etwas anderes als ein aufgebauter Kanal. Sobald du Geld über die Plattform auszahlen lässt, gehst du aber besser von steuerpflichtigen Einnahmen aus.

Anmeldung in drei Schritten

  1. Gewerbe anmelden. Bei der Gemeinde, meist online. Als Tätigkeit zum Beispiel „Erstellung von Social-Media-Inhalten und Werbedienstleistungen“. Wie das abläuft, steht in Einzelunternehmen gründen.
  2. Fragebogen zur steuerlichen Erfassung. Innerhalb eines Monats über ELSTER (§ 138 AO). Hier entscheidest du über die Kleinunternehmerregelung und beantragst eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer. Die brauchst du, sobald Unternehmen aus anderen EU-Staaten dich bezahlen.
  3. Daten in TikTok hinterlegen. Plattformen fragen für Auszahlungen Steuerdaten ab. Trage dort deine Steuernummer oder USt-IdNr. und deinen Kleinunternehmer-Status korrekt ein.

Einkommensteuer auf TikTok-Einnahmen

Besteuert wird der Gewinn. Von deinen Einnahmen ziehst du alle betrieblich veranlassten Ausgaben ab, zum Beispiel:

  • Smartphone, Kamera, Licht, Mikrofon (anteilig, wenn auch privat genutzt)
  • Schnitt- und Design-Software, Musiklizenzen, Cloud-Speicher
  • Requisiten und Kostüme, die nur für Videos genutzt werden
  • Agenturprovisionen, Steuerberatung, Buchhaltungssoftware
  • Reisekosten zu Drehs oder Kooperationen

Den Gewinn ermittelst du in einer Einnahmen-Überschuss-Rechnung und versteuerst ihn mit deinem persönlichen Steuersatz nach § 32a EStG. Bist du daneben angestellt, kommt der Gewinn auf dein Gehalt obendrauf. Eine Steuererklärung ist Pflicht, sobald die Einkünfte ohne Lohnsteuerabzug mehr als 410 Euro im Jahr betragen (§ 46 Abs. 2 Nr. 1 EStG). Was im ersten Jahr sonst noch ansteht, fasst der Ratgeber Steuern für Selbstständige zusammen.

Gewerbesteuer fällt erst an, wenn der Gewerbeertrag den Freibetrag von 24.500 Euro übersteigt (§ 11 GewStG).

Umsatzsteuer bei TikTok-Einnahmen

Kleinunternehmerregelung

Lag dein Gesamtumsatz im Vorjahr bei höchstens 25.000 Euro und bleibt er im laufenden Jahr unter 100.000 Euro, kannst du als Kleinunternehmer ohne Umsatzsteuer abrechnen (§ 19 UStG). Viele Creator starten so. Rechnungen enthalten dann einen Hinweis auf die Steuerbefreiung, aber keinen Steuerbetrag.

Zahlungen von Unternehmen im Ausland

Für Dienstleistungen an Unternehmen gilt nach § 3a Abs. 2 UStG: Die Leistung wird dort ausgeführt, wo der Kunde sein Unternehmen betreibt. Sitzt dein Kunde in einem anderen EU-Staat, schuldet er die Umsatzsteuer dort selbst (Reverse-Charge-Verfahren). Deine Rechnung enthält dann keine deutsche Umsatzsteuer, aber beide USt-IdNrn. und den Hinweis „Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers“. Ausstellen musst du sie bis zum 15. Tag des Folgemonats (§ 14a UStG). Als regelbesteuerter Unternehmer meldest du solche Umsätze zusätzlich in der Zusammenfassenden Meldung an das Bundeszentralamt für Steuern.

Plattformen rechnen häufig per Gutschrift ab, also mit einem Beleg, den der Zahlende ausstellt. Prüfe, ob darauf deine Daten und der richtige Steuerhinweis stehen. Ob eine Auszahlung von TikTok als Leistung an ein Unternehmen in Irland, im Vereinigten Königreich oder anderswo gilt, hängt von deinem Vertrag mit der Plattform ab. Lass die Einordnung deiner Auszahlungen einmal von einer Steuerberatung prüfen.

Inländische Marken

Kooperationen mit deutschen Unternehmen sind normal umsatzsteuerpflichtig, als Regelbesteuerter mit 19 Prozent. Die Vorsteuer aus deinen Ausgaben, etwa für Technik, bekommst du dann vom Finanzamt zurück.

Produkte, Reisen und Geschenke

Bekommst du ein Produkt, eine Reise oder ein Event, weil du dafür Content erstellst, ist das eine Gegenleistung. Sie zählt mit ihrem Marktwert als Betriebseinnahme. Das gilt auch, wenn kein Geld fließt. Umsatzsteuerlich kann ein solcher Tausch ebenfalls relevant sein.

Anders liegt der Fall, wenn ein Unternehmen dir unaufgefordert etwas schickt, ohne dass du zu einer Gegenleistung verpflichtet bist. Auch dann kann eine steuerpflichtige Zuwendung vorliegen. Manche Unternehmen versteuern solche Geschenke pauschal und teilen dir das schriftlich mit. Bewahre diese Mitteilungen auf, denn dann musst du den Wert in der Regel nicht selbst ansetzen.

Behältst du Produkte, die du für Videos verwendest, privat, ist eine Entnahme zu buchen. Gibst du sie zurück oder verlost sie, dokumentiere das mit Fotos und Belegen.

Meldungen der Plattform an das Finanzamt

Seit 2023 müssen Plattformbetreiber nach dem Plattformen-Steuertransparenzgesetz (PStTG) bestimmte Anbieter und deren Einnahmen an das Bundeszentralamt für Steuern melden. Erfasst sind laut § 5 PStTG unter anderem der Verkauf von Waren und persönliche Dienstleistungen. Wer über eine Plattform Waren verkauft, etwa im TikTok Shop, ist nur dann ausgenommen, wenn er weniger als 30 Verkäufe und zugleich weniger als 2.000 Euro Vergütung im Meldezeitraum hatte (§ 4 Abs. 5 PStTG). Unabhängig von einer Meldung bist du selbst verpflichtet, alle Einnahmen zu erklären.

Beispiel: TikTok-Einnahmen richtig verbuchen

Beispiel: Ein Food-Creator, angestellt in Teilzeit, ist Kleinunternehmer. 2026 hat er diese Einnahmen und Ausgaben:

PostenBetrag
Kooperation mit einem deutschen Küchengerätehersteller6.000 Euro
Auszahlungen aus dem TikTok-Vergütungsprogramm2.400 Euro
Ausgezahlte LIVE-Geschenke900 Euro
Standmixer als Gegenleistung für ein Video, Marktwert350 Euro
Betriebseinnahmen9.650 Euro
Kamera, Licht, Mikrofon, Software, Lebensmittel für Rezepte− 3.100 Euro
Gewinn6.550 Euro

Den Gewinn gibt er in der Anlage EÜR und der Anlage G seiner Einkommensteuererklärung an. Er wird zu seinem Gehalt addiert und mit seinem persönlichen Steuersatz besteuert. Gewerbesteuer fällt nicht an, weil der Gewinn unter 24.500 Euro liegt. Als Kleinunternehmer stellt er keine Umsatzsteuer in Rechnung. Wächst der Kanal über 25.000 Euro Umsatz, ist er ab dem Folgejahr regelbesteuert.

Für die Buchhaltung reicht eine Tabelle oder ein einfaches Programm. Vorschläge findest du unter Rechnungsprogramme für Kleinunternehmer. Lege für jede Auszahlung den Plattformbeleg ab und für jede Sachleistung eine kurze Notiz mit Marktwert und Gegenleistung. Wie du den Kanal strategisch als Marketingkanal für ein Business aufbaust, beschreibt Social Media für Gründer.

Häufige Fragen

Ab wann muss ich TikTok-Einnahmen versteuern?

Ab dem ersten Euro, wenn du mit Gewinnerzielungsabsicht handelst. Ob tatsächlich Einkommensteuer anfällt, hängt von deinem gesamten zu versteuernden Einkommen ab. Neben einem Job musst du ab mehr als 410 Euro Einkünften eine Steuererklärung abgeben.

Muss ich für TikTok ein Gewerbe anmelden?

In den meisten Fällen ja. Kooperationen, Plattformvergütungen und Provisionen sind eine gewerbliche Tätigkeit. Nur wenn die künstlerische oder journalistische Leistung klar überwiegt, kommt eine freiberufliche Tätigkeit in Betracht.

Sind TikTok-Geschenke im LIVE steuerpflichtig?

Wenn du sie dir in Geld auszahlen lässt, sind sie bei einem gewerblichen Kanal Betriebseinnahmen. Sie gehören dann wie jede andere Einnahme in deine Gewinnermittlung.

Muss ich als Minderjähriger TikTok-Einnahmen versteuern?

Ja, die Steuerpflicht hängt nicht vom Alter ab. Um ein Gewerbe selbstständig zu betreiben, brauchen Minderjährige eine Ermächtigung der Eltern, die das Familiengericht genehmigen muss (§ 112 BGB). Informiere dich vorab beim Gewerbeamt, welche Unterlagen es verlangt.

Quellen

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