Finanzierung

Forschungszulage 2026: So beantragst du sie für Software und KI

Forschungszulage 2026: 25 Prozent, für KMU 35 Prozent der FuE-Kosten, auch bei Verlust. Voraussetzungen, Antrag in zwei Stufen und Rechenbeispiel.

Symbolbild: Forschungszulage 2026: So beantragst du sie für Software und KI

Foto: Julia Koblitz / Unsplash

Inhaltsverzeichnis
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Wer kann die Forschungszulage beantragen?
  3. Welche Projekte gelten als Forschung und Entwicklung?
  4. Was ist förderfähig?
  5. Rechenbeispiel für ein Software-Startup
  6. Forschungszulage beantragen: Schritt für Schritt
  7. Kombination mit anderen Förderungen
  8. Häufige Fragen
  9. Quellen

Die Forschungszulage ist die steuerliche Forschungsförderung des Bundes. Unternehmen bekommen 25 Prozent ihrer Kosten für Forschung und Entwicklung erstattet, kleine und mittlere Unternehmen 35 Prozent. Seit 2026 zählen bis zu 12 Millionen Euro Kosten pro Jahr, dazu kommt für neue Vorhaben eine Gemeinkostenpauschale von 20 Prozent. Für Startups ist die Forschungszulage besonders interessant, weil das Finanzamt sie auch dann auszahlt, wenn du keine Steuern zahlst. Der Antrag läuft in zwei Stufen: erst eine Bescheinigung, dass dein Projekt Forschung ist, dann der Antrag beim Finanzamt.

Dieser Artikel ersetzt keine individuelle Rechts- oder Steuerberatung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Höhe: 25 % der förderfähigen Kosten, für KMU auf Antrag 35 % (§ 4 FZulG).
  • Bemessungsgrundlage: max. 12 Mio. Euro pro Wirtschaftsjahr ab 2026, bei verbundenen Unternehmen insgesamt.
  • Was zählt: Löhne des FuE-Personals, Eigenleistung von Einzelunternehmern (100 Euro pro Stunde), 70 % der Auftragsforschung, Abschreibungen auf FuE-Geräte, 20 % Gemeinkostenpauschale für Vorhaben ab 2026.
  • Auszahlung: Anrechnung auf Einkommen- oder Körperschaftsteuer, ein Überschuss wird erstattet. Auch Startups mit Verlust profitieren.
  • Verfahren: Bescheinigung bei der Bescheinigungsstelle Forschungszulage (vor, während oder nach dem Projekt), danach Antrag beim Finanzamt nach Ablauf des Wirtschaftsjahres.

Wer kann die Forschungszulage beantragen?

Anspruchsberechtigt sind alle Steuerpflichtigen mit Einkünften aus Land- und Forstwirtschaft, Gewerbebetrieb oder selbstständiger Arbeit (§ 1 FZulG). Dazu gehören GmbH und UG, Einzelunternehmen, Freiberufler und Personengesellschaften. Es gibt keine Mindestgröße und kein Mindestalter des Unternehmens.

Ausgeschlossen sind steuerbefreite Organisationen und Unternehmen in Schwierigkeiten im Sinne des EU-Beihilferechts (§ 9 Abs. 2 FZulG).

Welche Projekte gelten als Forschung und Entwicklung?

Begünstigt sind Vorhaben der Grundlagenforschung, der industriellen Forschung und der experimentellen Entwicklung (§ 2 Abs. 1 FZulG). Ein Vorhaben braucht eine klar definierte Aufgabe mit überprüfbaren Zielen. Es kann aus mehreren Arbeitspaketen bestehen.

Nicht mehr begünstigt ist eine Tätigkeit, wenn das Produkt im Wesentlichen feststeht und es nur noch um Markteinführung oder den reibungslosen Betrieb geht (§ 2 Abs. 2 FZulG).

Forschungszulage für Software- und KI-Projekte

Software ist förderfähig, wenn bei der Entwicklung eine echte technische Unsicherheit gelöst wird, also offen ist, ob und wie das Ziel mit dem Stand der Technik erreichbar ist. Die Grenze verläuft so:

Eher förderfähigEher nicht förderfähig
Neues Verfahren, um Sensordaten in Echtzeit mit begrenzter Rechenleistung auszuwertenWebshop mit Standard-Shopsystem und Plugins
Eigenes KI-Modell für ein Problem, für das es keine funktionierende Lösung gibt, mit offenen Fragen zu Architektur und TrainingsdatenEinbindung einer fertigen KI-Schnittstelle in eine bestehende App
Neuer Algorithmus, der eine bisher nicht erreichbare Genauigkeit oder Geschwindigkeit liefertAnpassung einer Software an Kundenwünsche, Updates, Fehlerbehebung
Prototyp, der zeigen soll, ob ein technischer Ansatz überhaupt funktioniertMigration in die Cloud mit bekannten Werkzeugen

Die Beispiele sind Orientierung. Ob dein Vorhaben Forschung im Sinne des Gesetzes ist, entscheidet die Bescheinigungsstelle im Einzelfall. Je genauer du beschreibst, was zu Projektbeginn technisch unklar war und wie du vorgegangen bist, desto besser. Mehr zum Einsatz von KI in jungen Unternehmen steht in KI für Gründer. Wenn du Entwicklung auslagerst, lies App entwickeln lassen und achte auf die Regeln zur Auftragsforschung unten.

Was ist förderfähig?

KostenartFörderfähigRechtsgrundlage
Löhne der Beschäftigten im FuE-VorhabenBruttolohn plus Arbeitgeberbeiträge zur Zukunftssicherung, anteilig nach FuE-Zeit§ 3 Abs. 1 FZulG
Gesellschafter-Geschäftsführer einer GmbHGehalt, wenn es dem Lohnsteuerabzug unterliegt§ 3 Abs. 1 FZulG
Eigenleistung von Einzelunternehmern100 Euro pro nachgewiesener Stunde, max. 40 Stunden pro Woche§ 3 Abs. 3 FZulG
Auftragsforschung70 % des Entgelts (für Aufträge ab 28.03.2024), Auftragnehmer mit Sitz in EU oder EWR§ 3 Abs. 4, § 2 Abs. 5 FZulG
Abnutzbare bewegliche Wirtschaftsgüteranteilige Abschreibung, wenn nach dem 27.03.2024 angeschafft und ausschließlich im Vorhaben genutzt; keine geringwertigen Wirtschaftsgüter§ 3 Abs. 3a FZulG
Gemeinkostenpauschale20 % der übrigen förderfähigen Aufwendungen, für Vorhaben mit Beginn nach dem 31.12.2025§ 3 Abs. 3b FZulG

Die Eigenleistung von Einzelunternehmern und Mitunternehmern wird nur gewährt, wenn die De-minimis-Regeln der EU (Verordnung 2023/2831) eingehalten sind (§ 9 Abs. 5 FZulG). Hast du in den letzten Jahren schon andere De-minimis-Beihilfen bekommen, prüfe den verbleibenden Spielraum.

Sachkosten wie Miete, Material oder Cloud-Dienste sind nicht einzeln förderfähig. Für Vorhaben mit Beginn nach dem 31.12.2025 werden Gemein- und Betriebskosten stattdessen über die 20-Prozent-Pauschale berücksichtigt. Externe Entwickler zählen nur mit, wenn ihr Auftrag die Voraussetzungen der Auftragsforschung erfüllt.

Rechenbeispiel für ein Software-Startup

Beispiel: Eine GmbH mit acht Beschäftigten (KMU) entwickelt ab Februar 2026 ein neues Verfahren zur automatischen Fehlererkennung in Röntgenbildern von Schweißnähten.

PostenBetrag
Zwei Entwickler, 80 % ihrer Zeit im Vorhaben, Bruttolohn plus Arbeitgeberanteile144.000 Euro
Gesellschafter-Geschäftsführerin, 30 % ihrer Zeit im Vorhaben27.000 Euro
Forschungsauftrag an ein Hochschulinstitut über 50.000 Euro, davon 70 %35.000 Euro
Zwischensumme206.000 Euro
Gemeinkostenpauschale 20 %41.200 Euro
Bemessungsgrundlage247.200 Euro
Forschungszulage 35 %86.520 Euro

Die GmbH macht 2026 einen Verlust und zahlt keine Körperschaftsteuer. Das Finanzamt rechnet die Zulage bei der nächsten Körperschaftsteuerveranlagung an und erstattet den vollen Betrag (§ 10 FZulG). Das Geld kommt also im Jahr nach den Ausgaben, in der Praxis nach Abgabe der Steuererklärung für 2026.

Forschungszulage beantragen: Schritt für Schritt

  1. Vorhaben abgrenzen. Beschreibe Ziel, technische Unsicherheit, Arbeitspakete, Zeitplan und beteiligtes Personal. Ein Vorhaben pro klar abgrenzbarer Forschungsfrage.
  2. Bescheinigung beantragen. Den Antrag stellst du elektronisch bei der Bescheinigungsstelle Forschungszulage (BSFZ). Ein Antrag umfasst alle Vorhaben eines Wirtschaftsjahres. Er ist vor, während oder nach dem Vorhaben möglich. Vorab beantragt, kann die Bescheinigung auch bis zu drei künftige Wirtschaftsjahre abdecken (§ 3 FZulBV).
  3. Bescheinigung erhalten. Die Stelle stellt fest und begründet, ob dein Vorhaben die Voraussetzungen erfüllt. Die erste Bescheinigung eines Wirtschaftsjahres ist kostenfrei, für weitere dürfen Gebühren erhoben werden (§ 6 FZulG).
  4. Stunden und Kosten dokumentieren. Führe Stundenzettel pro Person und Vorhaben. Ohne Nachweis erkennt das Finanzamt die Personalkosten nicht an.
  5. Antrag beim Finanzamt. Nach Ablauf des Wirtschaftsjahres stellst du den Antrag elektronisch über ELSTER beim für dich zuständigen Finanzamt (§ 5 FZulG). Die Bescheinigung ist Voraussetzung.
  6. Bescheid und Anrechnung. Das Finanzamt setzt die Forschungszulage per Bescheid fest und rechnet sie bei der nächsten Steuerveranlagung an. Auf Antrag kann es laufende Vorauszahlungen bis auf null Euro senken.

Checkliste für den Bescheinigungsantrag

  • Was war zu Beginn technisch unklar, und warum lässt sich das nicht mit vorhandenem Wissen lösen?
  • Welche Lösungsansätze wurden geprüft, welche sind gescheitert?
  • Welche Arbeitspakete gibt es, mit welchem Zeit- und Personalaufwand?
  • Wer arbeitet daran, mit welcher Qualifikation?
  • Gibt es Auftragsforschung oder Kooperationen?
  • Werden Wirtschaftsgüter nach § 3 Abs. 3a geltend gemacht? Dann Liste und Begründung beifügen.
  • Hat ein Berater gegen Bezahlung beim Antrag mitgewirkt? Das muss angegeben werden.

Kombination mit anderen Förderungen

Die Forschungszulage kann neben anderen Förderungen für dasselbe Vorhaben fließen. Dieselben Kosten dürfen aber nur einmal gefördert werden (§ 7 FZulG). Wenn zum Beispiel ein Projektförderprogramm 50 Prozent der Personalkosten zahlt, darfst du diese Kosten nicht zusätzlich in die Forschungszulage einrechnen. Pro Vorhaben und Unternehmen dürfen alle staatlichen Beihilfen zusammen 15 Millionen Euro nicht überschreiten (§ 4 Abs. 3 FZulG).

Gut ergänzen lassen sich die Zulage und Beteiligungskapital von Business Angels, das über den INVEST-Zuschuss gefördert wird. Wer noch an der Hochschule ist und noch nicht gegründet hat, sollte zuerst das EXIST-Gründungsstipendium prüfen. Wie die Forschungszulage bei der GmbH steuerlich wirkt, klärst du am besten mit deiner Steuerberatung. Grundlagen zur Besteuerung stehen in GmbH Steuern.

Häufige Fragen

Bekommt auch ein Startup ohne Gewinn die Forschungszulage?

Ja. Die Zulage wird auf die Einkommen- oder Körperschaftsteuer angerechnet. Ist die Steuer niedriger als die Zulage oder null, erstattet das Finanzamt den Rest (§ 10 FZulG).

Kann ich die Forschungszulage rückwirkend beantragen?

Die Bescheinigung kannst du auch nach Abschluss des Vorhabens beantragen. Der Antrag beim Finanzamt wird ohnehin erst nach Ablauf des Wirtschaftsjahres gestellt. Wie weit du zurückgehen kannst, richtet sich nach den steuerlichen Festsetzungsfristen. Lass das für ältere Jahre von deiner Steuerberatung prüfen.

Wie hoch ist die Forschungszulage maximal?

Ab 2026 beträgt die Bemessungsgrundlage höchstens 12 Millionen Euro pro Jahr. Daraus ergeben sich maximal 3 Millionen Euro Zulage, für KMU 4,2 Millionen Euro.

Gilt Softwareentwicklung als Forschung?

Nur wenn eine technische Unsicherheit gelöst wird, die mit dem Stand der Technik nicht ohne Weiteres beherrschbar ist. Routineentwicklung, Anpassungen und Wartung sind keine Forschung. Die Entscheidung trifft die Bescheinigungsstelle.

Können Freiberufler und Einzelunternehmer die Zulage nutzen?

Ja. Für die eigene Arbeitszeit setzt du 100 Euro pro nachgewiesener Stunde an, höchstens 40 Stunden pro Woche. Dieser Teil fällt unter die De-minimis-Grenzen der EU.

Quellen

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